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Störfälle

Presse Information vom 2. April 2009
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

Tödlicher Störfall bei BAYER: Untersuchung im US-Kongress

Strafe wegen schwerer Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen / Bhopal-Chemikalien in großer Menge gelagert / frühzeitige Warnungen / BAYER will Untersuchungen verhindern

Das Energy and Commerce Committee des US-Kongresses wird am 21. April die Sicherheitslage im BAYER-Werk Institute untersuchen. Das Hearing wird sich besonders mit dem schweren Störfall im vergangenen August beschäftigen, bei dem zwei Mitarbeiter starben und Tausende Anwohner gefährdet wurden. Zwei Tage später ist zum selben Thema eine Anhörung der staatlichen Behörde Chemical Safety Board geplant. Die BAYER AG hatte zunächst versucht, eine öffentliche Aufklärung der Katastrophe mit Hinweis auf Anti-Terror-Gesetze zu verhindern.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es ist höchst ungewöhnlich, dass sich der US-Kongress mit den Sicherheitsproblemen eines einzelnen Werks befasst. Dies ist aber angesichts der hohen Risiken, die von den Giftgas-Tanks in der Fabrik ausgehen, mehr als angemessen.“ Die Sicherheitslage in dem Werk im Bundesstaat West Virginia steht seit Jahrzehnten in der Kritik. „Nirgendwo in den USA werden größere Mengen der tödlichen Chemikalie Methyl Isocyanat (MIC) produziert und gelagert als in Institute. Wir verurteilen den Versuch von BAYER, die Untersuchungen mit juristischen Tricks zu verhindern“, so Mimkes weiter.

Die Erschütterungen bei der Explosion waren in einem Umkreis von 15 Kilometern zu spüren, Tausende Anwohner durften über Stunden ihre Häuser nicht verlassen. Die amerikanische Arbeitsschutzbehörde OSHA stellte in einer Untersuchung des Störfalls “mangelhafte Sicherheits-Systeme, signifikante Mängel der Notfall-Abläufe und eine fehlerhafte Schulung der Mitarbeiter“ fest. Insgesamt fand die OSHA 13 schwere Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen und verhängte eine Strafe von $143.000.

Die Anhörung des Chemical Safety Board war ursprünglich für Mitte März angesetzt, wurde aber nach juristischen Drohungen des Konzerns zunächst abgeblasen. Anwälte von BAYER beriefen sich dabei auf den Maritime Transportation Security Act zum Schutz von Häfen und Wasserwegen – obwohl sich die Fabrik rund 500km vom Meer entfernt befindet. Maya Nye, Vorsitzende der Bürgerinitiative People Concerned about MIC: “Es ist nicht nachvollziehbar, warum diese Informationen Top Secret sein sollen. Das Verhalten von BAYER passt aber zur bisherigen Linie des Unternehmens, die Anwohner über die Gefahren im Unklaren zu lassen“. Die People Concerned about MIC fordern seit den 80er Jahren, die gefährlichen Phosgen- und MIC-Tanks im Werk abzubauen. Die Fabrik gilt als „Schwester-Werk“ der Anlage in Bhopal, aus der 1984 rund 30 Tonnen MIC austraten, wodurch rund 20.000 Menschen den Tod fanden. Beide Fabriken gehörten damals zur US-Firma Union Carbide; das Werk im Bundesstaat West Virginia gelangte 2001 in den Besitz von BAYER.

Sprecher der Coordination gegen BAYER-Gefahren hatten in der letztjährigen Hauptversammlung des Konzerns, vier Monate vor der jüngsten Explosion, auf die schlechte Sicherheitslage hingewiesen. BAYER-Chef Werner Wenning hatte jedoch jeglichen Handlungsbedarf zurückgewiesen - die Anlagen entsprächen den „neuesten Sicherheitsstandards“ und hätten eine „ausgezeichnete Störfallbilanz“. Auch nach der Explosion wiegelten BAYER-Sprecher ab und behaupteten, dass die großen MIC-Tanks in einem anderen Teil der Fabrik untergebracht seien. Erst Wochen später stellte sich heraus, dass sich weniger als 20 Meter vom Explosionsort entfernt ein überirdischer MIC-Behälter befindet, der bis zu 20 Tonnen des tödlichen Gases enthält. Im Fall seiner Beschädigung wäre das Leben von Arbeitern und Anwohnern in höchster Gefahr gewesen.

Um die Aufklärung des Unglücks zu verhindern, hat BAYER eine PR-Beratung und ein Heer von Anwälten engagiert. Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Seit der Gründung des Konzerns ist zu beobachten, dass BAYER mit Druck und Drohungen versucht, Informationen und - noch mehr - Kritik zu unterbinden. Das Unternehmen setzt seine wirtschaftliche Macht rücksichtslos ein, um seine Profite zu schützen - die Wahrheit und die Interessen von Mensch und Umwelt bleiben dabei auf der Strecke.“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat wegen der mangelhaften Sicherheit in Institute einen Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung am 12. Mai eingereicht. Darin wird eine Nicht-Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat gefordert. Der Gegenantrag findet sich auf der BAYER-homepage unter http://www.hv2009.bayer.de/de/gegenantraege.aspx.

Anmerkung: hierzu erschien folgende Agenturmeldung. Anders als dargestellt hat nicht "ein Bayer-Sprecher" die Untersuchung im US-Kongress bekanntgegeben, sondern die Coordination gegen BAYER-Gefahren mit obiger Presse Information. Erst auf Rückfrage der Agentur hat Bayer nachgezogen und ebenfalls eine Information zu der Untersuchung veröffentlicht.

Dies ist ein gutes Beispiel für die leider weit verbreitete Komplizenschaft vieler Medien. Die Meldung vermittelt den Eindruck, als ob Bayer von sich aus auf Aufklärung drängt. Tatsächlich wollte Bayer aber eine Anhörung der US-Chemikalienbehörde verhindern. Erst auf massiven Druck von Umweltverbänden, Medien und Behörden wurden die Untersuchungen aufgenommen mehr Infos hierzu.

US-Kongress nimmt tödlichen Unfall in Bayer-Werk unter die Lupe

2. April 2009 -- Der tödliche Chemieunfall in einem amerikanischen Bayer-Werk im vergangenen Jahr beschäftigt nun auch den US-Kongress. Dessen Energie- und Sicherheitsschuss werde am 21. April die Lage in dem Werk prüfen, sagte ein Bayer-Sprecher am Donnerstag. Durch die Explosion in dem Betrieb der Pflanzenschutztochter CropScience in West Virginia waren im August 2008 zwei Mitarbeiter ums Leben gekommen. US-Fernsehstationen hatten über ein Feuer auf dem Gelände berichtet, das kilometerweit zu sehen gewesen sei.
Die Arbeitsschutzbehörde OSHA hatte gegen Bayer eine Strafe von 143.000 Dollar verhängt. Nach Angaben des Konzernsprechers hat Bayer nach dem Vorfall in dem Werk umfangreiche Schritte eingeleitet und die Sicherheitsabläufe unter die Lupe genommen. Die von dem Vorfall betroffene Produktion sei noch nicht wieder angelaufen, sagte der Sprecher. Dies soll erst geschehen wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind.