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Phosgen

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) NRW
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Presse Information vom 1. Oktober 2008

Neue Anlagen in den BAYER-Werken Dormagen und Krefeld:

„Keine Erweiterung der Phosgen-Produktion!“

Anlässlich der geplanten Ausweitung der Isocyanat-Produktion in Dormagen fordern der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Coordination gegen BAYER-Gefahren die BAYER AG auf, phosgenfreie Verfahren zur Produktion von Kunststoffen zur Marktreife zu bringen. Nur so ließe sich die Gefährdung der Anwohner und der Belegschaft verringern. Außerdem dürfe es keine Erweiterung der Produktion ohne Beteiligung der Öffentlichkeit geben.

BAYER will im Werk Dormagen die Herstellung von Toluylendiisocyanat (TDI) stark ausweiten, im Gespräch ist auch eine weitere Erhöhung der Polycarbonat-Produktion in Krefeld-Uerdingen. In beiden Fällen soll Phosgen als Zwischenprodukt eingesetzt werden. Phosgen gehörte im 1. Weltkrieg zur ersten Generation von Giftgasen und zählt heute zu den giftigsten Industrie-Chemikalien überhaupt. Die Phosgenproduktion gehört nach Atomkraftwerken zu den risikoreichsten Industrie-Anlagen in Deutschland.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Es ist technisch möglich, Polycarbonat phosgenfrei herzustellen. Für BAYER ist es aber offenbar preisgünstiger, die bestehenden Verfahren weiter anzuwenden – Profit geht vor Sicherheit. Bei einer Lebensdauer der Anlagen von 25-35 Jahren würde diese gefährliche Produktionsweise damit für Jahrzehnte festgeschrieben.“ Dass die Risiken für die Anwohner nicht nur theoretischer Natur sind, zeigt der schwere Störfall im BAYER-Werk Institute (USA) am 28. August: die Explosion war in einem Umkreis von 10 Meilen zu spüren; Tausende Anwohner durften über Stunden hinweg ihre Häuser nicht verlassen. Auch in Institute werden große Mengen Phosgen hergestellt.

Angelika Horster, BUND-Chemieexpertin: „Die Anwohner haben ein Recht auf Informationen, welcher Gefahr sie im Falle eines Störfalles ausgesetzt sind und wie sie sich vor dem Giftgas schützen können. Vor einer möglichen Erweiterung der Produktion muss daher eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt werden.“

Bereits im Jahr 2002 hatte BAYER in Krefeld-Uerdingen die Produktion von Polycarbonat und Methyldiisocyanat (MDI) um 100.000 bzw. 24.000 Tonnen/Jahr erhöht. Hiermit einher ging eine Erhöhung der Phosgenproduktion um rund 60.000 Tonnen. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit Beteiligung der Öffentlichkeit fand nicht statt. BUND und CBG hatten erfolglos nach freigesetzten Phosgen-Mengen im Falle eines worst case, Notfallplänen, zwischengelagerten Phosgen-Mengen und den Gefahren bei Flugzeugabstürzen gefragt. Mit Hinweis auf “Terrorgefahr“ blieben die Nachfragen jedoch unbeantwortet.

Die Umweltverträglichkeitsrichtlinie schreibt vor, dass auch vor Änderungs-Genehmigungen risikoreicher Anlagen ungefährlichere Alternativen geprüft werden müssen.

weitere Informationen:
EU-Beschwerde gegen Erweiterung in Krefeld
Westdeutsche Zeitung „Phosgen eine enorme Gefahr“
Artikel „Phosgen – die tickende Zeitbombe“: http://www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_2003/SWB_01_2003/Phosgen/phosgen.html