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Kreis Mettmann

02.08.2007, Rheinische Post

Feuerwehr machtlos gegen CO

Das Umweltamt des Kreises kommt zum Schluss, beim Bruch der Pipeline sei Rettung der Bevölkerung, wenn überhaupt, nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Im Notfall wird Gas unkontrolliert ausströmen.
Die Feuerwehren im Kreis Mettmann wären bei einem Bruch der Kohlenmonoxid-Leitung der Bayer AG weder technisch noch personell gerüstet. Dies geht aus einer Stellungnahme des Umweltamtes der Kreisverwaltung an den Fachausschuss für Ordnungsangelegenheiten und Wirtschaft hervor, der in der kommenden Woche tagt.
Die Umweltfachleute von Landrat Thomas Hendele gehen davon aus, dass bei einer Leckage giftiges Kohlenmonoxid „über Stunden“ unkontrolliert ausströmen würde. Eine Rettung bedrohter Menschen wäre „wenn überhaupt, nur unter erschwerten Bedingungen möglich“. Der Firma Bayer gehe es „nur um die größtmögliche Versorgungssicherheit ihrer Werksanlagen in Krefeld-Uerdingen“. Die Sicherheit der Bevölkerung im Umfeld der CO-Leitung solle dahinter zurückstehen.

Sperrung nur bei Vollbruch
Hintergrund der vernichtenden Stellungnahme der Kreisverwaltung ist das inzwischen bekannt gewordene Notfallszenario von Bayer. Danach sollen nur bei einem Vollbruch der Leitung die Schieber vor und hinter der Bruchstelle geschlossen werden. Das zwischen den beiden Stationen in der Leitung befindliche Kohlenmonoxid würde unkontrolliert in die Atmosphäre entweichen. Die Bevölkerung würde dadurch nach Überzeugung der Umweltfachleute des Kreises „in nicht unerheblichem Maße gefährdet“.

Die Pipeline
Die Leitungstrasse ist 67 Kilometer lang.
Sie führt durch die Städte Monheim, Langenfeld, Solingen, Hilden, Erkrath, Düsseldorf, Ratingen und Duisburg.Die Pipeline kreuzt den Rhein zwei Mal: einmal bei Monheim und einmal bei Duisburg.
Bei einer Leckage unterhalb eines Vollbruches der Pipeline sehe das Notfallszenario kein Abschiebern vor. Kohlenmonoxid würde in einem solchen Fall über einen Zeitraum von mindestens zwölf Stunden unkontrolliert austreten. Da ein Großteil des Gases aus technischen Gründen an der Bruchstelle austreten würde, wäre bei einem solchen Unfall eine besonders große Zahl von Personen betroffen, so das Umweltamt.
Erkraths Bürgermeister Arno Werner hielt sich gestern mit einer Bewertung dieses Berichts der Kreisverwaltung zurück. Sicherlich sei es richtig, dass die Feuerwehren derzeit nicht auf einen Bruch einer Kohlenmonoxidleitung vorbereitet sind. Er verwies aber darauf, dass Bayer-Vertreter bei der Information in der Erkrather Stadthalle erklärt hätten, die Feuerwehren könnten schon etwas tun.
Diese technischen Fragen aber werde das Verwaltungsgericht in Düsseldorf zu bewerten haben. Insgesamt zehn Klagen wurden in Düsseldorf eingereicht. Zwei von Kommunen, sieben von Privatpersonen.
Drei Argumente gegen den Bau der Pipeline nennt das Umweltamt in seinem Bericht:
Kohlenmonoxid ist farb- und geruchslos und nahezu gleich schwer wie Luft. Es bildet mit Luft ein leicht entzündliches Gemisch. Daher wurde es bislang nicht transportiert, sondern dort hergestellt, wo es gebraucht wird.
Dormagen und Uerdingen liegen linksrheinisch. Da es einen Verbund von fünf Leitungen nicht geben werde, gebe es keine Synergieeffekte und keine Rechtfertigung, die Pipeline durch den dicht besiedelten Kreis Mettmann zu legen.
Der Schutz der Bevölkerung kann durch die Feuerwehren nicht sichergestellt werden.
VON JÜRGEN FISCHER