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Kohlenmonoxid

5. Februar 2007
DIE GRÜNEN, Ortsverband Monheim am Rhein

Pressemitteilung zu aktuellen "Bayer-Themen"

GRÜNE: Kleine Anfrage im NRW-Landtag zur Sicherheit der CO-Pipeline

Auf Drängen der Monheimer GRÜNEN wird sich der NRW-Landtag mit einer kleinen Anfrage ihrer Landtagsfraktion zur Sicherheit der geplanten Kohlenmonoxid-Pipeline der Bayer AG zwischen Dormagen und Uerdingen beschäftigen.
Kritisiert werden die geplante Trassenführung in einzelnen Abschnitten und das Sicherheitskonzept für die Pipeline. So werden die vorgesehenen Schieberabstände und die Tiefe im Boden als zu gering betrachtet. Befürchtet wird, dass bei einer Leckage der Pipeline tausende von Menschen dem ausströmenden giftigen Kohlenmonoxid schutzlos ausgeliefert sind, zumal die öffentlichen Feuerwehren nicht für derartige Einsätze ausgerüstet seien. Gefragt wird konkret,

1. wie betroffene Kommunen und BürgerInnen über den geplanten Bau der CO-Pipeline informiert wurden,
2. welche Verbesserungsmöglichkeiten die Landesregierung am Sicherheitskonzept der Pipeline zum größtmöglichen Schutz der betroffenen Bevölkerung sieht,
3. welche Risiken im Falle von Leckagen für Mensch und Umwelt bestehen,
4. in welcher Form Feuerwehr und Katastrophenschutz auf mögliche Leckagen vorbereitet werden, und
5. wie die Überwachung der Pipeline im Betrieb erfolgen soll.

Andrea Stamm: "Es ist befremdlich, wie Bayer mit uns Nachbarn derzeit umspringt. Es gibt zwar kein Nullrisiko, doch die geplante CO-Pipeline und die Verbrennung australischen Giftmülls in Dormagen und Leverkusen sind völlig vermeidbare Risiken. Ich erinnere an den letzten Brand in Dormagen oder das explodierte Tankschiff! Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung muss Vorrang haben vor den wirtschaftlichen Interessen der Industrie".
Aktuelle Stellungnahmen der Monheimer Grünen und Aufrufe zum Protest gegen die geplante CO-Leitung und die Giftmüllverbrennung können unter www.gruene.de/monheim nachgelesen werden. Für den kommenden Samstag ist ein Infostand zu beiden Themen am Rathaus geplant.
Tel: 02173-96 36 03 www.gruene.de/monheim

LANDTAG NORDRHEIN-WESTFALEN
Kleine Anfrage des Abgeordneten Reiner Priggen GRÜNE

Sicherheit der CO-Pipeline zwischen Dormagen und Uerdingen

Der Landtag hat vor etwa einem Jahr das „Gesetz über die Errichtung und den Betrieb einer Rohrleitungsanlage zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen“ (Drucksache 14/909) beschlossen. Damit wurde die Rechtsgrundlage geschaffen, für den Bau einer Kohlenmonoxid-Pipeline zwischen den beiden Standorten der Bayer AG Dormagen und Uerdingen Enteignungen vornehmen zu können, falls dafür notwendige Grundstücke nicht freihändig erworben können.

Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren zur Errichtung der Pipeline. In einigen Abschnitten führt die geplante Trasse nur wenige Meter an geschlossener Wohnbebauung vorbei (z. B. Monheim und Duisburg). Kommunen und betroffene BürgerInnen fühlen sich schlecht oder gar nicht von den Genehmigungsbehörden informiert.

Kritisiert werden die geplante Trassenführung in einzelnen Abschnitten und das Sicherheitskonzepts für die Pipeline. So werden die vorgesehenen Schieberabstände von 10 Kilometer und die Tieflage mit 140 cm unter Grund als zu gering betrachtet. Befürchtet wird, dass bei einer Leckage der Pipeline tausende von Menschen dem ausströmenden giftigen Kohlenmonoxid schutzlos ausgeliefert sind, zumal die öffentlichen Feuerwehren nicht für derartige Einsätze ausgerüstet seien.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:
1. Wie wurden betroffene Kommunen und BürgerInnen über den geplanten Bau der CO-Pipeline informiert?
2. Welche Verbesserungsmöglichkeiten am Sicherheitskonzept der Pipeline zum größtmöglichen Schutz der betroffenen Bevölkerung sieht die Landesregierung (z. B. im Hinblick auf Schieberabstände, Tieflage, Pipeline-Material, Überwachung)?
3. Welche Risiken bestehen im Falle von Leckagen für Mensch und Umwelt?
4. In welcher Form werden Feuerwehr und Katastrophenschutz auf mögliche Leckagen vorbereitet?
5. Wie erfolgt konkret die Überwachung der Pipeline im Betrieb?

30. Januar 2007, Rheinische Post

Gas ist hochexplosiv und giftig

Kohlenmonoxid-Leitung durch Erkrath geplant. Benzin und Gasleitungen verlaufen parallel. Katastrophen-Szenario: Was wäre, wenn ein Tanklaster von der A 3 stürzt? 30 000 Erkrather wären gefährdet.

Als im August 2004 ein Tanklastzug von der Wiehltalbrücke über der Autobahn 4 abstürzte, entzündeten sich 33 000 Liter Benzin, Diesel und Heizöl am Boden. Die Folge: Eine Riesenexplosion, ein einziges Flammeninferno am Boden, wie durch ein Wunder entkamen Anwohner einer noch größeren Katastrophe.
Was wäre, wenn von der Autobahn 3 über dem Erkrather Neandertal ähnliches geschähe? Das fragt sich der Technische Dezernent der Stadt Erkrath, Klaus Dieter Holst, vor allem im Hinblick auf die geplante Kohlenmonoxid-Pipeline der Bayer AG. Die Trasse verbindet die beiden Bayer-Werke Uerdingen und Dormagen miteinander und verläuft in Erkrath weitgehend parallel zur Autobahn 3.
Parallel zur Autobahn 3 verlaufen in Erkrath unter der Neandertalbrücke aber auch Leitungen für Gas und Flugbenzin. Flugbenzin wird von Häfen an der Nordsee quer durch Deutschland zum Frankfurter Flughafen gepumpt. Dazu kommt eine Propylen-Leitung,

Feuerwehr könnte nicht anfahren
Wenn ein Tanklastwagen nun ausgerechnet auf diese Leitungen fällt, könnte es zum Größten anzunehmenden Unfall (GAU) kommen. Kohlenmonoxid gilt als hochexplosiv und reagiert mit brandfördernden Stoffen äußerst heftig. CO-Gas ist giftig beim Einatmen.
Die Folgen sind kaum vorhersehbar, möglicherweise verheerend und mit weitreichenden Konsequenzen für Erkrath. "Sollte sich CO etwa in einem Tal oder einer Niederung sammeln, könnte nicht mal die Feuerwehr das Gebiet anfahren", sagt Holst. Ein Funke würde eine Explosion verursachen.
Wie eine Kurzstudie eines Velberter Ingenieurbüros zur Risiko-Abschätzung im Havariefall der CO-Leitung ergab, wären im Fall eines Vollbruchs der Leitung 5309 Erkrather Gebäude und 29 208 Bewohner durch austretenes Gas gefährdet. Diese Zahlen gelten für einen Umkreis von 1500 Meter rund um die Leitung.
Dazu muss man allerdings Faktoren wie natürliche Hindernisse, Wetter und Windrichtung rechnen, so dass im Fall des Falles nicht alle gefährdet sind, ließ ein Vertreter des Ingenieurbüros verlauten.

Drei Leitungen
Drei Pipelines sind geplant. Eine Kohlenmonoxid-Leitung verbindet die Bayer-Werke Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Eine Propylen-Pipeline der European Pipeline Development Company (EPDC) versorgt die Benelux-Länder und West-Deutschland. Außerdem ist eine Gas-Leitung der Win-Gas geplant.
Im Planungsamt, Schimmelbuschstraße, liegt der Plan der Propylen-Fernleitung aus. Die CO-Leitung soll parallel gebaut werden.
Doch damit es gar nicht zu einem Vollbruch der CO-Leitung kommt, dafür sollen höchstmögliche Sicherheitsstandards sorgen. Alle Leitungen werden in einer Tiefe von 1,40 Meter verlegt, 40 Zentimeter mehr, als es das Gesetz vorsieht. Über den Leitungen wird ein reißfestes "Geo-Textil" verlegt, das eine Beschädigung zum Beispiel durch eine Bagger-Schaufel, ausschließen soll. Darüber hinaus werden die Schweißnähte geröntgt und die Leitungen unter Hochdruck geprüft. VON OLIVER WIEGAND

Rheinische Post, 10. Januar 2007

Mettmann: Klage gegen Pipeline prüfen

Der Kreis besteht darauf, den Betreibern der Pipeline eine Werksfeuerwehr als Auflage zu machen. Dazu gehören Spezialanzüge sowie geschütze Rettungsanzüge. / Alle Städte des Kreises wollen gegen eine Kohlenmonoxid/Propylen-Leitung vor Gericht ziehen. Ob überhaupt Erfolgssaussichten bestehen, wird von Rechtsanwälten überprüft.

Ein Team hochrangiger Rechtsanwälte aus Münster unter der Leitung von Professor Martin Beckmann prüft zurzeit, ob für eine Klage der Städte des Kreises gegen eine von der Bayer-AG geplante Kohlenmonoxid-Leitung, die quer durch das gesamte Kreisgebiet verläuft, überhaupt Erfolgsaussichten bestehen. „Wir werden uns in den kommenden Wochen treffen, denn noch ist genug Zeit“, sagt Ekkehard Fabian, beim Kreis für die Gefahrenabwehr zuständig.

Hintergrund: Drei unterirdische Pipelines sollen quer durch das Rheinland verlegt werden. Eine Kohlenmonoxid-Leitung verbindete die Bayer-Werke Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Das ist wirtschaftlicher und ungefährlicher als der Transport mit Lastwagen. Dazu kommt eine Propylen-Pipeline der European Pipeline Development Company (EPDC), die die Versorgung der Benelux-Länder und West-Deutschlands mit dem chemischen Grundstoff Propylen verbessern soll. Außerdem ist eine Gas-Leitung des Anbieters Win-Gas geplant. Über weite Strecken werden die Pipelines, die durch Langenfeld, Monheim, Düsseldorf, Hilden, Erkrath und Ratingen verlaufen, gebündelt, das heißt sie nutzen die gleiche Trasse.

Hohe Sicherheitsstandards
Ärger und Unmut gibt es vor allem wegen der geplanten Kohlenmonoxid-Leitung. „Menschen können das Gas weder riechen, schmecken, sehen und führt bereits in kleinsten eingeatmeten Mengen zum Tod“, erklärt Ekkehard Fabian, beim Kreis für die Gefahrenabwehr zuständig.

Die Stadt Monheim beschwerte sich über einen möglicherweise zu groß gewählten Abstand der Schieber. Die Schieber trennen wie die Schotten eines Schiffes den beschädigten Teil eines Rohres von den angrenzenden unbeschädigten Leitungsteilen ab und minimieren so den Gas-Austritt.

Unsichtbare Gefahr
Die Abstände seien mit bis zu zehn Kilometern zu groß gewählt. Bei einem durch Baggerarbeiten verursachten Leck träte zu viel Gas aus. Die Städte Erkrath und Hilden beklagen eine zu geringe Tiefe der Leitungen. Um alle denkbaren Szenarien – wie etwa den Sturz eines Lkw von einer Brücke Autobahn 3 zu sichern – müssten die kunststoff-ummantelten Stahlrohre mindestens zwei Meter unter der Erde verlegt werden. Ein Landwirt aus Monheim befürchtet, das nicht die CO-Leitung, sondern die Propylen-Leitung zum Beispiel bei Erntearbeiten auf den Erdbeerfeldern von einer Baggerschaufel getroffen werden kann. Propylen gilt als hochexplosiv.

Die Bayer Werke versprechen hohe Sicherheitsstandards. Die Leitungen würden geröntgt, eine Überprüfung unter hohem Druck würde selbst kleinste Lecks sichtbar machen. Der TÜV habe die Abstände der Schieber als „angemessen“ bezeichnet. Mit seinen Rechsanwälten möchte der Kreis nun überprüfen, ob den Sicherheitsbedenken in der Planung Rechnung getragen worden ist und eine Klage in Frage kommt. VON OLIVER WIEGAND