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Kampagne GenFood

22. März 2005, Spiegel Online

Gen-Raps schadet Bienen und Schmetterlingen

Die grüne Gentechnik muss einen weiteren Schlag hinnehmen: Eine Studie aus Großbritannien zeigt, dass der Anbau von Gen-Raps die Bestände von Bienen und Schmetterlingen dezimieren könnte.

Gentechnik in der Landwirschaft hat viele Gegner. Auch Bienen und Schmetterlinge scheinen nicht gerade auf manipulierte Pflanzen zu fliegen. Ergebnisse einer britischen Studie haben ergeben, dass die Insekten von Äckern mit gentechnisch verändertem Raps lieber fern bleiben.

Wissenschaftler fanden heraus, dass der Anbau von manchen genveränderten Pflanzen das Gleichgewicht der Unkräuter durcheinander bringt, die auf den Ackerflächen gedeihen. Dies könnte Bienen und Schmetterlingen schaden. Auf von ihnen untersuchten Feldern mit genetisch verändertem Winter-Raps waren bis zu zwei Drittel weniger Schmetterlinge unterwegs und nur halb so viele Bienen. Das sind die abschließenden Ergebnisse einer dreijährigen Studie, die die britische Regierung in Auftrag gegeben hatte.

Auch Vögel könnten unter dem Gen-Raps leiden
Die Forscher kritisieren die Form der Unkrautbekämpfung auf den Versuchsfeldern. Der Ölraps war genetisch so verändert worden, dass er resistent gegen ein bestimmtes Unkrautvernichtungsmittel ist. Spritzt der Landwirt mit diesem Mittel sein Feld, bleibt nur der Gen-Raps stehen, während die Unkräuter eingehen. Das Herbizid bekämpft aber nicht alle Unkräuter gleich stark: Es tötet vor allem großblättrige Wildpflanzen ab, Gräser hingegen werden verschont.

Bienen und Schmetterlinge, die vor allem die Blüten der Blätterpflanzen anfliegen, hätten demnach unter der Unkrautbekämpfung zu leiden, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society". Auch Tiere, die weiter oben in der Nahrungskette stünden, seien betroffen. Die Wissenschaftler fürchten, dass die Anzahl von Vögeln wie Spatz und Dompfaff durch einen kommerziellen Anbau von Gen-Raps dezimiert werden könnte.

Befürworter der grünen Gentechnik weisen hingegen darauf hin, dass die meisten Insektenarten nicht unter dem Unkrautvernichtungsmittel zu leiden hätten. Insgesamt sei der Einfluss des Gen-Rapses auf die Artenvielfalt minimal. "Wie bei allen Techniken zur Unkrautregulierung, werden manche Insekten davon profitieren und andere darunter leiden", sagt Tony Combes von der Lobby-Gruppe Agricultural Biotechnology Councils gegenüber Nature News. Auf die Mehrzahl der Arten habe sie aber keinen Einfluss.

In den USA und Kanada bereits großflächig angebaut
Die Firma Bayer Crop Science mit Hauptsitz in Monheim am Rhein verkauft den gentechnisch veränderten Winterraps bereits in den USA und in Kanada. Die größten Unterschiede im Bienen- und Schmetterlingsflug seien im Juli gezählt worden, betonte Julian Little, ein Sprecher des Unternehmens gegenüber Nature News. Zu dieser Zeit seien ohnehin nicht viele Bienen und Schmetterlinge im Feld zu finden.

Dennoch können die Studienergebnisse wohl als ein weiterer Schlag gegen grüne Gentechnik bewertet werden. Bereits für Frühlingsraps und Zuckerrüben, zwei der drei Gen-Pflanzen, die ebenfalls untersucht worden waren, hatte die Studie 2003 nachgewiesen, dass sie die Artenvielfalt senken. Auch ihr Anbau reduziert die Anzahl der Wildpflanzen im Feld.

Die Ergebnisse sind Teil der größten Untersuchung, die jemals zum ökologischen Einfluss von genveränderten Agrarpflanzen durchgeführt wurde. Mehr als 150 Wissenschaftler waren an der rund 8,5 Millionen Euro teuren Untersuchung beteiligt, bei denen eine Million Unkrautpflanzen und zwei Millionen Insekten in Großbritannien gezählt wurden.