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Rede Pater Gregor Böckermann

Pater Gregor Böckermann von den "Weiße Väter - Afrikamissionare" am 27. April 2001 auf der Hauptversammlung der Bayer AG in Köln

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre, verehrte Vorstands-
mitglieder,

wenn morgen jemand sein altes Handy gegen das neueste Modell eintauscht, dann heizt er mit hoher Wahrscheinlichkeit den verheerenden Bürgerkrieg im Kongo indirekt mit an. Wenn der Kunde auch noch gleichzeitig Bayer-Aktien besitzt, dann verlängert er mit hoher Wahrscheinlichkeit den Krieg sogar direkt. Denn Bayer hat mit diesem Bürgerkrieg eine Menge zu tun.

In der Demokratischen Republik Kongo, dem früheren Zaire, liegt der Stoff, mit dem Handy- und Computerträume wahr werden. Colombo-Tantalum, kurz Coltan, heißt das Erz. Durch den Handy- und PC-Boom ist die weltweite Nachfrage sprunghaft angestiegen.

Die Bayer-Tochter H.C. Starck mit Sitz in Goslar gehört beim Handel mit Tantalumprodukten zur Weltspitze. Der vor wenigen Tagen veröffentlichte UN-Bericht zur - Zitat - "illegalen Ausplünderung der natürlichen Ressourcen" in der DRC kommt zu der Kernaussage - ich zitiere: "Der Konflikt dreht sich hauptsächlich um Zugang zu, Kontrolle von und Handel mit fünf mineralischen Ressourcen", darunter auch Coltan. Der UN-Bericht nennt explizit die Bayer-Tochter H.C. Starck als Bezieherin von kongolesischem Coltan. Die Hamburger Umweltorganisation "Rettet den Regenwald" hat den Bayer-Vorstand deswegen schriftlich aufgefordert, vorläufig auf den Einsatz von Mineralien aus dem Bürgerkriegsland zu verzichten.

Ich frage den Vorstand, ob er dieser Forderung nachkommen wird?

Der UN-Bericht bezeichnet die Konzerne, die mit kongolesischen Mineralien handeln, als - Zitat - "Motor des Konfliktes". Laut UN-Bericht "kennen die importierenden Konzerne die tatsächliche Herkunft des Coltan." Bayer bereichert sich demnach vorsätzlich an der Veredlung eines Metalls, dessen Förderung den Krieg im Kongo anheizt - ja, sogar noch verlängert. Denn von den Coltanerlösen werden Waffen gekauft. Oder andersherum: Ohne den Handel mit Mineralien wie Coltan wäre der Krieg gar nicht finanzierbar.

Rund 250.000 Menschen fielen dem Bürgerkrieg bisher zum Opfer, eine Million Menschen wurde vertrieben, die Natur ist schwer geschädigt. Bayer hat gegenüber "Rettet den Regenwald" bisher lediglich zugesagt, keine Mineralien aus Regenwaldgebieten in der DRC mehr zu beziehen, in denen der Coltanabbau schwere Umweltschäden hinterläßt.

Ich frage den Vorstand: Trifft es zu, dass H.C. Starck weiter Coltan aus anderen Gebieten in der DRC bezieht. Und falls ja, ist es mit den Bayer
Unternehmensgrundsätzen vereinbar, dass der Konzern dadurch laut UN-Bericht direkt zur Verlängerung eines blutigen Krieges beiträgt?

In den Unternehmensleitsätze heißt es, ich zitiere: "Produktverantwortung endet nicht am Werkstor. Bayer-Produkte müssen den Grundsätzen von Responsible Care (verantwortliches Handeln) und Sustainable Development (nachhaltige, zukunftsverträgliche Entwicklung) entsprechen.

Bayer hat inzwischen mitgeteilt, H.C. Starck beziehe seine Rohstoffe u.a. von etablierten Händlern, mit denen das Unternehmen bereits seit vielen Jahren zusammenarbeite. Aus der Einschränkung "unter anderem" ergibt sich, dass H.C. Starck seine Rohstoffe auch von nicht etablierten Händlern bezieht bzw. bezogen hat.

Ich frage den Vorstand: Wie können Sie sicher stellen, dass Coltan-Lieferanten von H.C. Starck, die Sie nicht zu den etablierten Händlern zählen, kein Material aus der DRC liefern?

Ich frage weiter: Sind Sie in der Lage und bereit, der Öffentlichkeit die Namen sämtlicher Händler zu nennen, von denen H.C. Starck Coltan aus der DRC direkt oder über die Nachbarländer bezieht bzw. in der Vergangenheit bezogen hat?

Wie gesagt: 250.000 Tote hat der Krieg gefordert und eine Million zu Flüchtlingen gemacht. Wer ein neues Handy kauft, beteiligt sich womöglich indirekt an dem Gemetzel. Wer eine Bayer-Aktie besitzt, ist vielleicht sogar direkt mit verantwortlich. Wer den Konzern führt, erst Recht.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.