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Stichwort BAYER 04/2004

Südafrika: Chrom im Grundwasser

Brunnenvergifter BAYER

Wieder einmal macht BAYERs Chrom-Fabrik im südafrikanischen Durban Schlagzeilen. Rückstände des Werkes vergiften das Grundwasser in der ganzen Umgebung.

Von Philipp Mimkes

Die Stadtverwaltung von Durban/Südafrika hat hochgefährliche Chromverbindungen im Grundwasser gefunden. Die Krebs erregenden Stoffe treten in der Umgebung des Chemie-Werks der Firma BAYER im Süden der Stadt auf. Den AnwohnerInnen wurde dringend angeraten, das Wasser aus angrenzenden Brunnen weder zum Kochen noch zum Trinken zu verwenden. Nach Angaben des Unternehmens geht die Kontamination auf "historische Verunreinigungen" zurück - wie diese in den Untergrund gelangten, sei unklar. Umi Sankar, Leiter des Gesundheitsamts von Durban, empfahl allen Personen, die kontaminiertes Wasser getrunken haben, sofort eine/n MedizinerIn aufzusuchen. VertreterInnen lokaler Bürgerinitiativen zeigen sich besorgt, dass das vergiftete Grundwasser in schadhafte Trinkwasser-Leitungen eindringen könnte.

Axel Köhler-Schnura von der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG): "Die Chrom-Fabrik in Durban war bereits für eine Vielzahl von Vergiftungsfällen verantwortlich. Wir fordern die Firma BAYER auf, das Gelände gründlich zu dekontaminieren und alle Vergiftungsopfer angemessen zu entschädigen".

Der Leverkusener Chemie-Multi hatte die Durbaner Firma CHROME CHEMICALS 1968 übernommen und dort bis 1991 sogenanntes sechswertiges Chrom hergestellt. Wegen mangelhafter Sicherheits-Einrichtungen kam es in dem Betrieb seit den 70er Jahren zu einer großen Zahl von Vergiftungsfällen. Ein Drittel der Belegschaft erlitt bleibende Gesundheitsschäden, mindestens acht Arbeiter starben an Lungenkrebs, zwei weitere an Tuberkulose. Selbst die Apartheids-Regierung hatte 1976 in einem Bericht Sicherheitsmängel und Gesundheitsprobleme der Belegschaft moniert. Wörtlich hieß es in der Untersuchung: "Die Ergebnisse sind extrem beunruhigend und lassen mangelnde Fürsorge bezüglich des physischen Wohlergehens der Arbeiter erkennen".

Nach Protesten südafrikanischer Gewerkschaften sowie der CBG schloss BAYER 1991 die Produktion von sechswertigem Chrom und entließ einen Großteil der Beschäftigten. Obwohl in Deutschland seit 1936 Lungenkrebs als Berufskrankheit von MitarbeiterInnen der Chrom-Verarbeitung anerkannt ist, verweigerte die Firma eine Entschädigung der betroffenen Arbeiter.

Der Konzern gehört zu den weltweit größten Chrom-Produzenten. Die Verarbeitung wurde vor einigen Jahren in Deutschland und Brasilien eingestellt und in Südafrika gebündelt. Im Nordwesten des Landes betreibt das Unternehmen eine eigene Chrom-Mine, zudem besitzt es einen 50-prozentigen Anteil an der Firma CHROME INTERNATIONAL SOUTH AFRICA, die Natriumdichromat und Chromsäure produziert.