deutsch
english
francais
espanol
italiano
Photo
Hauptversammlung 2017

Christoph Koch (Deutscher Berufs- und Erwerbsimkerbund)

Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre,

mein Name ist Christoph Koch und dies ist nun schon der neunte Auftritt von mir hier auf der Jahreshauptversammlung. Ich spreche zu ihnen zum einen als Aktionär, aber vor allem im Namen des deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes und der EU-weiten Imkervertretung, dem EPBA. Bei meinen Fragen geht es um den Einfluss der Agro-Chemie-Produkte dieses Konzerns auf unsere lieben Honig-Bienen, und wie Sie meine Damen und Herrn von einem meiner Vorredner eben gehört haben, machen sich nun inzwischen auch die Bänker Sorgen um die Bienen!

Herr Baumann, seit ich hier für die Bienen spreche, habe ich Sie da oben sitzen sehen. Also kennen Sie auch all meine Fragen und die der andern Kollegen aus der Vergangenheit. Übrigens finden Sie diese ganz leicht im Internet, und es lohnt sich, diese in Ruhe zu lesen, auch meine Kommentare dazu. Denn da gibt es einiges an Widersprüchen.

Ihr Vorgänger, der Herr Dekkers, konnte von all dem, was ich schon in der Zeit von Herrn Wenning fragte, nicht unbedingt wissen. Aber Sie, Herr Baumann, sie wissen um diese Fragen. Und wenn Sie das alles reflektieren, werden Sie diese Widersprüche in den Antworten ihres Hauses finden. Herr Dekkers z. B. gestand letztes Jahr ein, dass die Neonics negative Folgen auf die Brutnesttemperatur der Honigbienenvölker haben. Einen Zusammenhang auf die Varroa-Population stritt Dekkers aber ab!

Warum nur?

Herr Baumann, diesen Zusammenhang von Brutnesttemperatur und verlängerter Verdeckelungszeit der Honigbienenbrut und somit auch zur Varroa, den gibt es! Das haben sogar Leute herausgefunden, welche für und bei BAYER arbeiten!

Andere Imkerkollegen, welche hoffentlich zu Wort kommen, werden Ihnen das eventuell noch genauer erklären, vermute ich mal. Meine Damen und Herren Aktionäre, hier stimmt was nicht. Seit wir Imker die Neonics kritisieren, versucht dieser Konzern unsere Vorwürfe zu widerlegen und verstrickt sich dabei zunehmend tiefer in Widersprüche. Möchten Sie Beispiele? BAYER sagte immer: Die Anwendungen der Beizen seien alle bienensicher und ganz andere Dinge die wirklichen Ursachen für die großen Bienenprobleme. Fakt ist auch, dass Teile der Beizen heute noch aus den pneumatischen Sämaschinen gelangen und somit auch zu den Bienen. Natürlich erst dann, wenn man mehr als 3000 m² säht. Das und anders war ja auch der Grund für das deutsche Neonicotinoid-Verbot bei Mais in 2008! Doch lange davor gab es schon Hinweise, 2002 sogar eine Dokumentation, aber BAYER gelang es von diesem dort detailliert beschriebenen Vergiftungsweg abzulenken. Doch seit 2008 war das nicht mehr abzustreiten. Und jetzt klagt BAYER auch noch gegen das EU-Verbot und will Rechtssicherheit erwirken?

Rechtssicherheit für was?

Dass Sie mit den LD50-Werten schummeln dürfen? Oder Nosema mit Varroa verwechseln, was Werner Wenning hier schon getan hat? Was genau war eigentlich der Grund für das nationale Goucho-Verbot in den 90ern in Frankreich? Etwa diese Trickserei mit den LD50-Werten? Oder beides zusammen? Ja meine lieben Damen und Herrn Aktionäre, Sie verstehen vielleicht jetzt immer nur Bahnhof, aber Sie Herr Baumann, oder besser gesagt jene, welche ihnen die Antworten schreiben, die wissen, was ich meine. Ich erwarte von denen jetzt auch keine besseren Antworten wie bisher. Bzw., diese Antworten lenken die Aktionäre eher ab von der Wirklichkeit. Frage mich aber, wie solche Wissenden überhaupt noch ruhig schlafen können?

Oh, ich habs, die nehmen ja so tolle Produkte von BAYER, mit denen das dann geht.Da fällt mir ein, die haben ja Risiken und Nebenwirkungen, und auf Dauer ist das vielleicht auch nicht die Lösung. Gibt es das bei den Pflanzenschutzmitteln auch? Herr Baumann? In Bezug auf die Honigbienen? Als DDT und Co. noch verwendet wurden, da sind die Honigbienen reihenweise an Nosema gestorben. Das ist eine Darmerkrankung der Bienen.

Seit die Neonics verwendet werden, gehen unsere Bienen an der Varroa kaputt.

Bzw. bei Imidacloprid speziell ist es dann auch mal eine völlig neue Variante von Nosema. Die sogenannte Sommernosema. Meine Damen und Herrn Aktionäre, Herr Baumanns Schreiber-Truppe wird das jetzt nicht ganz verstehen, und auch Sie im Saal, aber Honig-Bienen sind komplex, und das ganze Bienenvolk als solches ist der Körper, das Lebewesen, nicht die einzelne erwachsene Biene!

Diese Tests, ob ein Pflanzenschutzmittel bienensicher ist oder nicht, werden vor allem mit erwachsenen Bienen gemacht. So schreibt es das bisherige Verfahren vor. Stimmt das so, Herr Baumann? Oder etwa doch nicht? Was genau beinhalten diese so sehr umfangreichen Tests? Was versteht BAYER unter einer lebenden Biene?
Eine Biene, welche noch atmet?
Oder eine die Biene, welche noch Blüten bestäuben kann?
Klären Sie doch bitte mal die Aktionäre hier im Saal auf!

BAYER will nun aber die neuen notwendigen EU-Testverfahren für einen besseren Bienenschutz unterbinden. Bienen, meine Damen und Herrn Aktionäre, leisten etwas für uns alle, dessen Ausmaß viele in unserer Gesellschaft heute noch überhaupt nicht richtig einschätzen können. Es ist ganz sicher nicht der leckere Honig, den Sie von uns kosten konnten. Selbst wenn es gelingt, mit künstlichen Drohnen die Befruchtung der Anbaukulturen zu leisten, wer erledigt die restliche Befruchtung, z. B. der Waldbeeren, dass Sie ihren Rehbraten weiterhin noch essen können? Herr Baumann, mögen Sie Wild? Oder sind Sie Vegetarier? Oder glauben Sie, man könne das Wild auch aus anderen Ecken der Welt herholen?

Funktioniert dann das jetzige System nur noch in den Naturpark-Reservaten?
Wenn Sahara-Sand zu uns gelangen kann, wird auch Ackerboden zu uns gelangen können, der durch diese segensreiche moderne Landwirtschaft vergiftet ist.
Somit kann das auch in die Naturpark-Reservate gelangen, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, dass Bienenhaltung dann dort auch nicht mehr einwandfrei funktioniert.

Die DLG, bzw. der Chef, hatte jüngst mit seinen 10 Thesen für ordentlichen Wirbel gesorgt und ein Umdenken der jetzigen modernen Landwirtschaft gefordert. Die DLG, meine Damen und Herrn, war bisher so eng am deutschen Bauernverband, dass kein Blatt Papier dazwischen passt. Der Bauernverband ist der gleichen Meinung wie BAYER, dass man nur mit den Beizen und dem andern Kram wie GVO usw. die Welternährung sichern kann. Und jetzt kommt die DLG daher und stellt das alles in Frage? Dies kommt also nicht von einem Bio-Verband oder Greenpeace oder sonstigen unangenehmen! Und Sie Herr Baumann, kaufen jetzt Monsanto für ein „Weiter so?
Hat das wirklich Zukunft? Meine Redezeit ist beschränkt.

Meine Damen und Herrn Aktionäre, bei meinen Reden ging es immer nur um die Bienen. Das, was BAYER mit uns Menschen macht, weil es bei den Aktien immer nur ums Geld geht, sogar um sehr viel Geld, das ist das wirklich Schreckliche!
Die Honigbienen sind nur der Anfang.
Mit Geld kann man sich nicht alles kaufen. Tote Bienen kann man damit nicht mehr lebendig machen und Menschen auch nicht!
Sie, meine Damen und Herrn Aktionäre, haben es hier und heute in der Hand, wie sie sich entscheiden.
Zeigen Sie die Rote Karte und verweigern Sie diesem Vorstand die Entlastung!

Vielen Dank für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit!

Christoph Koch
3.Vorsitzender im Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund
Landesgeschäftsführer für Baden-Württemberg
Karl-Friedrichstraße 15
D 77728 OPPENAU
Tel.: +49 7804 3589
E-Mail: vorstand@berufsimker.de
www.berufsimker.de