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Bayer HV 2012

Sehr geehrter Vorstand, sehr geehrte Aufsichtsräte,
meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre!

Als österreichischer Imker habe ich hier die Aufgabe die Situation bei uns - wo die neo-nikotinoiden Beizmittel zur Anwendung kommen, darzustellen.

Mein Name ist Roland Netter und meine Imkerei ist ca. 30 km östlich von Linz im Donautal – 11 km² Auwald sowie zahlreiche Obstbäume sind vor meinen Bienenständen, ein idealer Bienenstandort, wenn nicht das Gebiet - überwiegend von Maisfeldern umgeben wäre.

In Österreich wurde 2009 das Projekt Melissa gestartet.

Ziel war es: Das Auftreten von Bienenverlusten in Raps-, Mais- und Kürbisanbaugebieten und die Zusammenhänge mit Bienenkrankheiten durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln - zu erforschen.

Beim Projekte Melissa wo ich teilnahm - dokumentierte ich die wichtigsten Ereignisse im Umkreis meiner Bienenstände. Übersichts-pläne mit den Maisfeldern, den Feldgrößen, den Anbauzeiten, Fruchtfolgen und Wetterlagen, sowie die Blütensituationen wurden festgehalten. Ab 2010 wurden täglich Fotos von den Flugbrettern mit den toten Bienen - vor, während und nach der Maisanbauzeit gemacht. Die toten Bienen, das Bienenbrot, die Pollen, sowie der Honig wurden zur Untersuchung eingeschickt.

Die Untersuchungsergebnisse:
2009; Das Bienenbrot enthielt 8.200 ng Thiamethoxam und 7.600 ng Clothianidin. In Summe ergibt das 15.800 ng/kg Neonikotinoide.
2010 wurde in meiner Bienensammelprobe 3.200 ng/kg Clothianidin festgestellt.
2011 waren in den Bienen 16.000 ng/kg Clothianidin und zusätzlich waren im Honig noch 9.300 ng/kg Thiacloprid feststellbar.
Das Bienensterben 2008 in Baden-Württemberg wurde von der Fa. Bayer, als Unfall, dargestellt.

Da meine Werte zum Teil über dem Durchschnitt von Baden-Württemberg lagen, hatte ich die letzten 3 Jahre, - dank der Fa. Bayer, - trotz Einführung der hochgelobten Schutzmaßnahmen - ebenso Beizmittelunfälle und Völkerverluste zu verzeichnen. Erwähnenswert ist, dass die Bienen schon bei Werten von 0,1 ng den Geruchssinn und infolge die Orientierung verlieren. Bei meinen Bienen lagen die Werte um das 16-fache höher.

Wie die Wissenschaftler bestätigen, wird das Immunsystem der Bienen schon durch geringste Beizmittelbelastungen, auch unter der Nachweisgrenze, von 200 ng/kg, geschwächt. Wenn das Bienenvolk wegen zu hoher Dosis gleich abstirbt, ist die Ursache leicht erkennbar. Das Problem ist, dass bei geringeren Belastungen die Verluste kaum auffallen, da die Bienen die toten Bienen auf den Flugbrettern sofort wegräumen und die geschädigten den Heimflug gar nicht mehr schaffen. Dies passiert in der Zeit in der die Bienenvermehrung rapid voranschreitet. Negativauswirkungen sind für die Imker erst später erkennbar. Da die Viren, Keime und Sporen, sowie die Varroa als Überträger in den Völkern ständig vorhanden sind, kommt es infolge verstärkt zu viriellen und bakteriellen Erkrankungen. Durch das neonikgeschwächte Immunsystem haben viele Krankheiten die Chance, Bienenvölker zu töten.

Drei Jahre Projekt Melissa und zahlreiche in- und ausländische Studien und Forschungsergebnisse müssten schon lange reichen um ein Verbot dieses Mittels auszusprechen.

Eine Tatsache ist es, dass 2011 in den Anwendungsgebieten 27,5% Bienenschäden durch Pestizide vom Projekt Melissa nachgewiesen wurden.

Die Situation der Imker ist nicht erfreulich, da man sich dabei wie ein nicht erwünschter Anwesender vorkommt und das gute nachbarliche Verhältnis zu den Landwirten, allein durch die Bienenanwesenheit, gefährdet ist.

Auch für den Landwirt ist dieser Zustand problematisch, er muss verunsichert, mit einer mehr oder weniger funktionierenden beizmittelgerechten Sämaschine, mit erhobenem und abgeschlecktem Zeigefinger windmessend, den Mais anbauen. Die Vorgabe von der Windgeschwindigkeit max. 5m/s beim Anbau, funktioniert nicht, es werden sogar verstärkende Verteilungswirkungen bei Trockenheit und Thermik durch den Sämaschinen-Umbau festgestellt. Der Landwirt muss befürchten, dass er beschuldigt wird, für Bienenschäden verantwortlich zu sein.

Die Schädigung der Nichtzielorganismen ist erheblich. Übrigens musste ich eine gravierende Verminderung der Frösche um ca. 90 % bei meinen Teichen feststellen.

Die Schuld am Bienensterben reduziert BAYER in einer Broschüre - auf die Varroa und auf Behandlungsfehler der Imker, sowie auf Unachtsamkeit. - Es wird zwar zugegeben, dass 2008 in Baden-Wüttemberg ein Unfall war - aber betont, - dass man durch die gesetzten Maßnahmen, alles im Griff habe.

Wie die Untersuchungen in Österr., in Italien, in Frankreich, in den USA usw. zeigen, stimmen die Behauptungen der Fa. BAYER - leider nicht.

Es werden immer wieder die wissenschaftlichen Arbeiten in Frage gestellt bzw. nicht zur Kenntnis genommen.

Die Internationalen Forschungsberichte, die eindeutig auf Schäden durch Neonikotinoide - hinweisen, sind erdrückend. Cruiser wurde nicht umsonst aus dem Kürbisanbau in Österreich zurückgezogen. Diese Handlung ist durchaus ein Eingeständnis!

Die sich ankündigenden Schadenersatzforderungen, speziell aus den USA, die auf die Firma Bayer zukommen, werden Auswirkungen auf den Aktienkurs und auch für sie haben - meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre!
Sehr geehrter Vorstand und sehr geehrte Aufsichtsräte - zeigen sie Verantwortung und ergreifen sie - aufgrund der Erkenntnisse aus der Forschung - die Initiative, - ziehen sie sich aus dem Geschäft - mit den Bienen und Umwelt schädigenden Mitteln - der Neonikotinoide zurück - ziehen sie sich zurück - solange es noch Zeit ist.

Wir Imker aus Österreich unterstützen den Gegenantrag der Coordination gegen Bayer- gefahren und ich bitte auch sie - diesen Gegenantrag zu unterstützen – damit wir die Fa. Bayer auf den richtigen Weg bringen und sie - als Aktionäre - keinen Schaden erleiden.

Roland Netter
Hauptstr. 16
4300 St. Valentin
0664/5948522