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Hauptversammlung 2011

Rede von Walter Haefeker, Präsident des Europäischen Berufsimkerverbandes EPBA (European Professional Beekeepers Association)

Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre,

mein Name ist Walter Haefeker. Ich bin Berufsimker in Bayern und Präsident des Europäischen Berufsimkerverbandes EPBA.

Mit über 30 Milliarden Mitarbeiterinnen sind wir die größten Arbeitgeber in Europa. Mit einer weiblichen Führungskraft in jeder Produktionseinheit sieht es mit der Frauenquote in unserer Branche auch recht gut aus.

Ich selbst war einer der Imker, die Sie heute Morgen am Eingang begrüßt haben. Sie werden sich vielleicht gefragt haben, warum wir mitten in der Bienensaison nach Köln gekommen sind.

Wir möchten Sie, verehrte Aktionäre, auf unsere anhaltenden Probleme mit den Produkten von Bayer Crop Science aufmerksam machen.

Als Aktionäre erwarten Sie zurecht von der Bayer AG eine angemessene Rendite.
Als Aktionäre sind sich darüber hinaus bewusst, dass auch eine Verantwortung mit ihrer Anlageentscheidung verbunden ist.

Viele Anleger legen Wert darauf, dass nicht nur Rendite sondern auch Nachhaltigkeitskriterien erfüllt werden. Dazu ist es allerdings notwendig, dass das Management die Aktionäre nicht nur korrekt über die Finanzen informiert, sondern auch über die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die Umwelt.

Leider haben Sie Herr Dr. Dekkers, hier heute die Chance verpasst, die Aktionäre korrekt über die Auswirkungen ihrer Produkte auf die Bienen weltweit in Kenntnis zu setzen.

Sie machten heute Morgen die Aussage "Studien belegen, dass es keinen Zusammenhang zwischen der sachgerechten Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Bienenverlusten gibt."

Sie verwiesen dann weiter auf die Schäden durch die Varroa Milbe. Das ist etwa so, als würde die Tabakindustrie die Gesundheitsschädlichkeit von Zigaretten mit der Aussage abtun, dass es ja auch Menschen gibt, die bei Autounfällen sterben.

Die Tatsache, dass es auch andere Faktoren gibt, die die Bienengesundheit beeinflussen, bedeutet nicht, dass Sie aus der Verantwortung für Ihre Produkte entlassen werden können.

Sie haben heute mehrfach in ihren Antworten Ergebnisse aus dem Deutschen Bienenmonitoring wiedergegeben. Dieses Projekt wurde im Wesentlichen von Bayer, BASF und Syngenta finanziert.

Wie eine unabhängige Arbeit Anfang dieses Jahres überzeugend dargestellt hat, ist die wissenschaftliche Qualität des Monitorings so schlecht, dass daraus keinesfalls eine Absolution für ihre Pflanzenschutzmittel folgen kann. Im Interesse Ihrer Aktionäre sollten Sie ihr Geld zurückverlangen.

Herr Dr. Dekkers, Sie haben den Stand der Wissenschaft leider nicht korrekt und sehr selektiv wiedergegeben.

Sie haben es auch unterlassen zu erwähnen, dass für verschiedene Anwendungen in mehreren EU-Mitgliedsstaaten die Zulassung ihrer Produkte ruht.

Ich gehe davon aus, dass ihnen bekannt ist, dass die dort zuständigen Behörden der von Ihnen hier heute vorgetragenen Argumentation nicht gefolgt sind.

Vielleicht hätte es ihre Aktionäre auch interessiert, dass gestern nach massiven Bienenverlusten ein befristetes Verbot von neonicotinoiden Beizmitteln durch die Slovenischen Regierung verhängt wurde.

Bitte erklären Sie ihren Aktionären, welche Produkte der Bayer Crop Science zur Zeit in welchen Ländern wegen ihrer Bienengefährlichkeit nicht angewendet werden dürfen.

Nachdem in Deutschland die Zulassung für Poncho als Beizmittel verboten wurde, versuchten Sie zu verhindern dass die Österreicher diesem Beispiel folgen.

Sie versprachen beste Beizqualität und versuchten Österreich zum Musterländle der sachgerechten Anwendung ihrer Produkte zu machen. In jedem Jahr gab es Bienenschäden und weitere Verbesserungen wurden in Aussicht gestellt. Das von Ihnen in ihrer Antwort auf die Frage von Herrn Koch angesprochene "Mehrstufige Sicherheitskonzept" wurde dort umgesetzt.

Soeben erreichte mich ein Anruf des Präsidenten des Österreichischen Berufsimkerverbandes. Es gibt aktuell wieder Bienenschäden. Nun also bereits im dritten Jahr. Das zuständige Institut AGES hat dies in einer Mitteilung heute bestätigt.

Sehr geehrter Herr Dr. Dekkers, bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass diese Produkte nicht fachgerecht angewendet werden können. Clothianidin, der Wirkstoff in Poncho, ist über 7000 mal toxischer für Bienen als DDT.

Eine bienenungefährliche Anwendung dieser Produkte ist offensichtlich in der Praxis nicht möglich. Imkerverbände weltweit fordern Sie auf, diese Produkte endlich vom Markt zu nehmen.

Die Demonstration heute Morgen sollte ihnen anschaulich machen, dass überall auf der Welt die Imker auf den Barrikaden sind, weil sie die Bienenverluste durch ihre Produkte nicht länger hinzunehmen bereit sind.

Wenn Sie so weitermachen wie bisher, beschädigen sie nicht nur unsere Bienen sondern auch ihre Marke.

Ich danke für ihre Aufmerksamkeit