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Hauptversammlung 2011

Dieter Donner, Stopp-Bayer-CO-Pipeline

1. Auch dieses Jahr haben langjährige, treue Bayer-Aktionäre und bürgerliche Unterstützer der „Stopp-Bayer-CO-Pipeline- Initiative“ mir das Vertrauen geschenkt und die Möglichkeit gegeben, hier in ihrem Sinne zu ihren Mitaktionären zu sprechen.
Lassen Sie mich zunächst an Sie Herr Deckers und auch an den Aufsichtsratsvorsitzenden Schneider eine Frage stellen: „Was würden Sie als verantwortliche Führungskraft einem Qualitäts-kontrolleur antworten, der Ihnen auf das Ergebnis seiner Kontrollen sagt, er habe mit dem Anlagenführer zusammen alles richtig gemacht; nur das Ergebnis sei eben nicht so wie vorgegeben. Allerdings erwarte er dennoch, dass dieses Produkt vom Kunden akzeptiert werde, da es ihm gleichwertig erscheine?“
Sagen Sie bitte jetzt nicht, das sei eine Frage, die sich bei Bayer nicht stelle. Denn genau dies haben die Verwaltungsgerichte und neuerdings auch die Bezirksregierung an der von Ihnen zu verantwortenden CO-Pipeline vielfach festgestellt.

2. Das Gas Kohlenmonoxid , das Sie durch diese Pipeline leiten wollen, ist extrem heimtückisch und im Falle einer Leckage in seiner Wirkung durchaus Auswirkungen eines Atomunglücks vergleichbar. Von Ihrem „Projektleiter“ stammt die Bestätigung, dass im Falle einer Havarie noch in etwa 800 Meter Entfernung von der Leitung die Menschen gesundheitlich schwerwiegend und sogar tödlich betroffen werden.
Was besonders erschreckend daran ist: die Menschen werden überhaupt nicht gewarnt, weil dieses Gas nicht wahrnehmbar ist . Es ist farblos, geschmacklos und es gaukelt den betroffenen Menschen sogar vor, ausreichend mit Sauerstoff versorgt zu sein. Letztlich ersticken die Menschen, ohne sich noch wehren oder gerettet werden zu können.
Das ist der CO-Super-Gau; zum einen in der Wirkung auf Bayers Image nicht nur in Bezug auf die CO-Pipeline, im Besonderen aber gegen Gesundheit und Leben der Menschen entlang der Bayer – CO -Röhre.

3. Eine gerade jüngst gefällte Entscheidung des VG Stuttgart zu einem Baustopp einer Ethylen-Pipeline, wie heute in der Bild-Zeitung zu lesen, sollte Ihnen Herr Deckers und den Aktionären zu denken geben. Dort war der Grund für den Baustopp der zu geringe Abstand zur Wohnung der Kläger. Bei der strittigen Distanz geht es um weniger als 350 Meter. Die Richter fanden diese Entfernung als Orientierungswert in einem Forschungsbericht der Bundesanstalt für Materialforschung und - prüfung aus dem Jahr 2009 über "Risiken des Transports flüssiger und gasförmiger Energieträger in Pipelines".

Da die CO-Pipeline ohne Rücksicht auf diese Gefährdung in unmittelbarer Nähe sogar zu Schulen, Kindergärten und zu Wohnungen, teilweise sogar durch die Gärten, geplant und durchgedrückt wurde, machte sich Bayer schuldig und handelte dazu noch extrem schludrig in der Bauausführung, wie schon dargestellt.

4. Die zuständigen Feuerwehren und Rettungskräfte entlang der Pipeline weisen seit 2007 darauf hin, dass sie Verletzte aus dem CO-vergifteten Gebiet nicht retten können. Bayer vereinbarte mit der vorhergehenden Bezirksregierung in Düsseldorf lediglich einen Gefahrenabwehrplan, der sich einzig auf den Leitungsschaden, nicht aber auf die Rettung von betroffenen Menschen bezieht.

Der Bayer-Konzern hat zur Kenntnis genommen, dass ca. 170 Kinder- und Jugendärzte bzw. Kinder- und Jugendpsychiater auf die Gefahren und die unzureichenden medizinischen Rettungsmöglichkeiten bei einer CO-Vergiftung hinweisen.
Für ganz NRW gibt es ständig nur zwei Betten für die Rettung und medizinische Behandlung von CO-Vergifteten. Somit sind für den schlimmsten anzunehmenden Unfall mit Hunderten von Verletzten nur zwei Behandlungsplätze vorhanden.

5. Leider zieht Bayer aus all diesem Versagen bisher keine geschäftlich und gesellschaftlich verantwortlichen Schlüsse:
Dabei hat sich der ursprüngliche Überschuss von CO in Dormagen, als Grund für den Bau der CO-Pipeline angegeben, mittlerweile in eine Fehlmenge umgekehrt. Für die neue TDI-Anlage in Dormagen muss nun zusätzlich CO erzeugt werden.
Durch den Protest der Bürger schon in 2007 sah Bayer sich veranlasst, damals die CO-Fertigung in Uerdingen zu modernisieren und war dann im Aufschwung des Jahres 2010 in der Lage die Zusatzmengen Polycarbonat an den boomenden Markt zu bringen. Das hat auch die Dividende der Aktionäre verbessert.

6. Im Bayer-Konzern wird mittlerweile über eine anderweitige Nutzung der Pipeline nachgedacht, allerdings traut man sich offensichtlich noch immer nicht, sich von diesem finanziellen und
Image-Risiko Giftgas-Pipeline zu verabschieden.

Seien Sie sicher; in dieser Frage werden Sie so nur Negatives erreichen! Wir werden mit den 110.000 Unterstützern unserer Forderung weiter kämpfen und die neuen Verfahren werden das Risiko für Bayer immer weiter steigen lassen.

Die uns beauftragenden Aktionäre und auch wir von der Stopp-Bayer-CO-Pipeline Initiative haben nichts gegen Bayer, sondern wünschen uns Bayer als gesellschaftlich verantwortungsvoll agierendes erfolgreiches Chemieunternehmen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!