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STICHWORT BAYER 01/2011

Neues Sparprogramm

BAYER streicht 4.500 Stellen

Der neue Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers führt sich mit einem Sparprogramm ein und vernichtet 4.500 Arbeitsplätze. „BAYER eiskalt“ kommentiert die Presse.

„Ich will für BAYER noch mehr Investition und weniger Administration. Wir können noch schneller und schlanker werden“, sagte der neue BAYER-Chef Marijn Dekkers bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal trotz einer Umsatzsteigerung von 16,1 Prozent auf 8,6 Milliarden. Über die Konsequenzen war er sich noch nicht im Klaren: „Ob dadurch wirklich Arbeitsplätze betroffen sind, kann ich jetzt noch nicht sagen“. Zwei Wochen später wusste er es. Da kündigte der Leverkusener Multi den Abbau von 4.500 Stellen an den alten Standorten und den Aufbau von 2.500 in den Schwellenländern an. 800 Millionen Euro will Dekkers dadurch jährlich einsparen.

Allein 1.700 Jobs fallen in der Bundesrepublik weg. Bei der IT-Abteilung BAYER BUSINESS SERVICES (BBS) stehen 700 Arbeitsplätze zur Disposition. Bei BAYER HEALTH CARE streicht der Konzern 700 Stellen, bei BAYER CROPSCIENCE 300. Die Kunststoff-Sparte, um die es immer wieder Verkaufsgerüchte gibt, bleibt dagegen weitgehend verschont.

Der Betriebsrat kritisierte das Sparprogramm zwar, ändert aber seinen sozialpartnerschaftlichen Kurs nicht und bietet stattdessen Hilfe bei der Abwicklung an. „Das ist ein erheblicher Personalabbau mit einschneidenden Veränderungen. Wir Arbeitnehmer-Vertreter werden nun intensive Gespräche mit der Unternehmensleitung führen, um die Notwendigkeit, den Umfang, mögliche Alternativen und die Umsetzung der geplanten Veränderungen zu beraten, damit sozialverträgliche Lösungen gefunden werden können“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Thomas de Win. Und als die schlechte Presse PR-Maßnahmen erforderlich machte, erklärte er sich sogar zu einer gemeinsame Erklärung mit der Chef-Etage bereit.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will den Kahlschlag hingegen nicht so einfach hinnehmen. Angesichts von 5,5 Millionen Euro, die BAYER im Zuge der Wirtschaftskrise aus dem Konjunktur-Paket erhalten hat, verlangte NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) von BAYER, Verantwortung für die Beschäftigten zu übernehmen. Das wies der Multi zurück. Diese Mittel hätten nichts mit der Krisen-Bewältigung zu tun gehabt, kommentierte Konzern-Sprecher Günter Forneck knapp die Vorwürfe.

Die aber kamen nicht nur von der Landesregierung. Die Financial Times Deutschland sprach von einem „Fehlstart“ Dekkers, und die Rheinische Post konstatierte unter der Überschrift „BAYER eiskalt“: „Der Rheinische Kapitalismus in Leverkusen ist zu Ende“. Einen Kulturbruch stellt das Vorgehen Dekkers allerdings nicht dar. Seit 1990 haben alle Vorstandsvorsitzenden von Herman Josef Strenger über Manfred Schneider bis zu Werner Wenning konsequent Arbeitsplätze vernichtet. Belief sich die Zahl der Beschäftigten 1990 bei einem Umsatz von 21 Milliarden Euro auf 171.000, so schrumpfte sie bis heute auf 108.700 - bei einem Umsatz von 31 Milliarden Euro. Wenning & Co. haben sich nur immer ein wenig mehr Mühe bei der Begründung der Arbeitsplatzvernichtung gegeben. Von Jan Pehrke