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Jan Pehrke

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mein Name ist Jan Pehrke. Ich bin Journalist, gehöre dem Vorstand der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN an und möchte zum Thema „Arznei-Tests in der Dritten Welt“ sprechen.

BAYER führt immer mehr Medikamenten-Versuche in Entwicklungs- oder Schwellenländern durch. Dort locken ein großes Reservoir an potenziellen Teilnehmern, unschlagbare Preise, schnelle Verfahren und eine mangelhafte Aufsicht. In Indien beispielsweise laufen derzeit Tests mit einem Multiple-Sklerose-Präparat, einer Hautgeschwür-Arznei, einem Diabetikum, einem Antibiotikum und vier Krebsmitteln. Das Handelsblatt beschrieb diese Entwicklung 2007 so:

„Auch als Ressource wird Indien für die Pharma-Sparte interessant“.

Menschliche Versuchskaninchen als „Ressource“ - die findet BAYER auch anderswo in der großen weiten Welt, etwa in Kolumbien, Pakistan, Moldavien, Russland, auf den Philippinen und in China. Einen Grund dafür benennt die Beratungsfirma CENTERWATCH:

„Die Chinesen sind nicht so emanziert wie die US-Bürger. Sie zeigen sich eher bereit, Versuchskaninchen zu spielen“.

In diesem Zusammenhang habe ich zwei Fragen an den Vorstand:

1. Wieviele Medikamenten-Versuche führt BAYER derzeit in Entwicklungs- und Schwellenländern durch?

2. Plant BAYER, in Zukunft noch mehr Tests in diese Staaten zu verlegen?

Die Chinesen, Kolumbier, Pakistani und Moldavier sind nicht so emanziert, weil sie es sich nicht leisten können. Die pure Not treibt sie zu den Versuchen. Die ebenfalls auf Geld angewiesenen Kliniken und Ärzte lassen sich fast genauso leicht ködern. Und die betreffenden Staaten auch. Sie haben ein finanzielles Interesse an den Tests und kommen den Pharma-Konzernen deshalb entgegen. So haben Indien, Costa Rica und Peru jüngst die gesetzlichen Auflagen für Pillen-Erprobungen gelockert.

Damit nicht genug, betreibt BAYER auch noch Outsourcing und beauftragt externe Dienstleister mit der Durchführung der Tests. Denen geht es dann vordringlich um die Kundenzufriedenheit und nicht um das Wohl der Probanden. So prahlte ein Manager eines dieser Dienstleistungsunternehmen einmal:

„Bei der Rekrutierung von Probanden kann ich die Kriterien so setzen, dass es unmöglich sein wird, Nebenwirkungen zu identifizieren“.

Zu dem letzten Punkt habe ich jetzt zwei Fragen:

1. Wie hoch ist der Anteil der Tests, die BAYER ausgliedert?

2. Plant BAYER, diese Quote zu erhöhen?

Die zunehmende Kommerzialisierung von Arzneitests stellt ein hohes Sicherheitsrisiko dar. Schon bei Arzneitests in den Industrie-Nationen kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, da sich Medikamente als gesundheitsschädlich erweisen. Im Jahr 2008 habe ich hier an dieser Stelle über schwere Gesundheitsstörungen bei US-amerikanischen ProbandInnen berichtet, die BAYERs Parkinson-Präparat Spheramine getestet haben. Bei Tests in der Dritten Welt, die kaum von Ethik-Kommissionen und staatlichen Stellen überwacht werden, ist diese Gefahr ungleich höher. Deshalb dazu zwei Fragen:

1. Wieviele Medikamente überstanden im letzten Jahr die Tests wegen zu vieler Risiken und Nebenwirkungen nicht?

2. Wieviele ProbandInnen wurden durch diese Mittel geschädigt und um welche Schädigungen handelte es sich?

Auch Arznei-Tests in Entwicklungsländern finden nicht in einem völlig rechtsfreien Raum statt. Die vom Weltärztebund verabschiedete „Deklaration von Helsinki“ gilt weltweit. In ihr heißt es:

„In der medizinischen Forschung am Menschen muss das Wohlergehen der einzelnen Versuchsperson Vorrang vor allen anderen Interessen haben“.

Nach der Deklaration muss die Forschung mit Benachteiligten immer auch den Benachteiligten selbst zu Gute kommen. Zudem lehnt sie in ihrer ursprünglichen Fassung die Verwendung von Placebos strikt ab, weil das bedeutet, kranken Menschen ohne ihr Wissen dringend benötigte Medizin vorzuenthalten. Ihr zufolge sollte das neue Medikament stattdesse mit dem besten verfügbaren alten verglichen werden. Und dafür sprechen nicht nur moralische, sondern auch pharmazeutische Gründe.

Dazu jetzt meine abschließenden Fragen:

1. Bekennt sich BAYER zur „Deklaration von Helsinki“?

2. Stellt BAYER den Probanden die Versuchsarzneien auch nach den Tests zur Verfügung?

3. Testet der Konzern in Entwicklungsländern nur Arzneien, die er später dort auch herausbringt?

4. Verzichtet BAYER auf Tests mit Placebos?

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit!