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Dieter Donner

Redebeitrag und Fragen von Dieter Donner auf der Bayer- Hauptversammlung am 30.04.2010

Mein Name ist Dieter Donner und ich bin Pressekoordinator der Bürgerinitiative „Stopp Bayer- CO - Pipeline“. Einen Guten Tag, den Aktionären, dem Aufsichtsrat und dem Vorstand. Was Ihnen, Herr Wenning bald bevorsteht, einen Ausstieg aus der Verantwortung der Unternehmensführung, habe ich selbst schon erlebt; insofern kann ich Ihre Wehmut, die Sie heute morgen gezeigt haben, gut nachvollziehen. Aber es ist jetzt nicht nur Wehmut gefordert, Sie sollten auch dem Nachfolger keine Probleme hinterlassen, die Sie noch lösen können. Dazu später mehr.
Das Rederecht hier habe ich wieder von einem langjährigen, treuen Aktionär erhalten; der Grund? Die Art, wie Bayer dieses hochkritische Projekt managt, Fehler zu kaschieren versucht, sich in Widersprüche verwickelt oder Unwahrheiten herausposaunt, macht wohl nicht nur ihn, sondern immer mehr Aktionäre ärgerlich und wütend.
Die mit nun schon dreijähriger Verspätung vor der Baufertigstellung stehende Bayer CO- Pipeline hat sich für Sie, Herr Wenning, für den Aufsichtsratschef Schneider und für Bayer gesamt zu einem Menetekel entwickelt.
Hinter vorgehaltener Hand wird auch bei Bayer schon deutlich die „verflixte Pipeline“ angesprochen, mit der Sie einen großen Image-Schaden angerichtet haben. Dies schmerzt besonders, weil kaum jemand mehr Bayer etwas in dieser Frage glaubt.

1. Eine generelle Frage möchte ich an den Anfang stellen:
Wann lässt die Bayer-Konzernführung endlich wirtschaftliche und gesellschaftliche Vernunft sprechen und sich nicht mehr von den altvorderen BMS - Verantwortlichen die Gift-Pipeline als Quasi-Dogma auferlegen? Dies vor allem, weil die Inbetriebnahme in „unendliche Ferne“ gerückt ist!

2. Bayer hat schon im Dezember 2004 – zu einer Zeit, wo noch gar nicht klar sein konnte, ob und wie diese Leitung gebaut werden sollte – einen Vertrag mit der Firma Linde zur Lieferung von CO über 15 Jahre abgeschlossen.
Welche Rolle hat in diesem Deal der AR- Vorsitzende Schneider gespielt; er ist ja auch AR- Vorsitzender bei Linde und kassiert dort sogar mehr Tantieme als hier bei Bayer.
Linde hatte im Jahr 1999 noch Seite an Seite mit der Bundesregierung um Subventionen gekämpft, um keine solche Leitung selbst bauen und betreiben zu müssen.
In Leuna wurde der Reformer am Ort des Verbrauchs gebaut und bezuschusst, weil der CO – Transport wegen der Gefährlichkeit nicht möglich war!

Warum meinen Bayer und Linde jetzt in Uerdingen alles anders machen zu können und wollen partout das giftige CO-Gas von Linde 67 Kilometer durch dichtest besiedeltes Gebiet leiten?

3. Die Ungereimtheiten – man könnte es auch als Lügenmärchen bezeichnen – in dem CO-Pipeline-Projekt füllen mittlerweile bei uns, in der Presse und bei Gerichten schon haufenweise Ordner.
Lange haben Sie mehr als 150 Unterlassungen gegenüber Vorschriften der Planfeststellung zu vertuschen versucht:
- An 36 Stellen dünnere Rohre verbaut als angeliefert wurden ,
- an 10 Stellen anderer Stahl als beantragt, verwendet,
- an über 80 Stellen von der Trasse abgewichen, ohne eine Genehmigung zu haben und
- Mitte 2009 kam auch noch heraus, dass vorher keine richtige Bomben-untersuchung gemacht wurde.
Die politische Unterstützung war - bis auf die Grünen – bisher einhellig; jetzt bröckelt auch diese Front in CDU und SPD! Und im „neuen“ Landtag wird sich die Gegnerschaft zur Pipeline sogar immer mehr vergrößern.

War dies bisherige Zustimmung nur möglich, weil Bayer sich immer im Sponsoring von CDU, FDP und SPD getummelt hat und wie viel hat das gekostet?

4. Im vorigen Jahr haben Sie noch eine sündhaft teure Anwaltskanzlei bezahlt, um die vorzeitige Inbetriebnahme zu versuchen. Damit sind Sie grandios gescheitert: Nichts ist es mit der baldigen Inbetriebnahme und selbst ihren Ruf als erfolgreicher Prozesshansel haben Sie ruiniert.
Sehen Sie diese „Augen zu und durch –Strategie“, die das Unternehmen immer mehr Geld und Image kostet, mittlerweile als obsolet an, oder kommen Sie nur nicht aus Ihrer Grube heraus?

5. Ungereimtheiten zur Konzernstrategie:
- Im Jahr 2006 haben Sie in die Presse lanciert: „BMS modernisiert Makrolon® Produktion; Krefeld-Uerdingen ist damit die weltweit größte Produktionsstätte für das Polycarbonat von BMS.“
Das alles war vor der CO-Pipeline und jetzt soll der ganze Indiustriestandort ohne diese Gift-Röhre gefährdet sein?
- Zur angeblichen Begründung der CO-Pipeline wird noch immer gebets-mühlenartig auch noch heute von Ihnen im Internet heruntergeleiert:
Die CO- Überkapazität in Dormagen erfordert diese Pipeline. Vor kurzem wurde aber von dem bald nötigen Kapazitätsausbau der CO-Erzeugung in Dormagen.
für die TDI-Schiene gemeldet.
Ist das Verwirrung in Ihrem Haus oder politische Vernebelungstaktik?

6. Warum verweigert sich Bayer, mehr und konsequent auf „Green Chemistry“ statt weiter auf „Bad Chemistry“ zu setzen ?

Auf Seite 46 des Geschäftberichts für 2008 stellt BMS-Vorstand Dr. Gürtler unter dem Titel „CO2 – DER ROHSTOFF FÜR NEUE MATERIALIEN“ eine besondere Innovation vor:

„Wir wollen CO2 in Zukunft als Wertstoff für die Herstellung von Polyurethan-Komponenten nutzen“ Dazu hat Bayer gemeinsam mit der TH Aachen das
„cat Catalytic Center“ gegründet. Dort wollen die Forscher neue Katalysatoren entwickeln, die das Treibhausgas zum wertvollen Ausgangsstoff für
neue Materialien umwandeln.

Also, es geht doch und warum nutzen Sie ähnliche Innovationen nicht auch in
Uerdingen und setzen auf Produktion mit geringerem Risiko?

7. In unserem Aktionärsbrief 2009 haben wir prophezeit: Die Gefahr ist groß, dass auch die Inbetriebnahme letztlich schief geht! Genau das ist passiert

Die Folge wäre:
Die Zukunft von BMS hängt weiter in der Luft, obwohl diese doch schon Ende 2007 begonnen haben sollte.

Soll das Unternehmen – zumindest in der Kunststoffsparte - weiter
- gegen wirtschaftliche Vernunft,
- ohne genügendes Innovationstempo und
- nur dem Dogma CO-Pipeline nachhängend

und weiter Zukunfts-Chancen verpassen?

Also Herr Wenning, Sie haben noch einige Monate Zeit; kappen Sie die Pipeline, schneiden Sie ein Stück heraus und rauchen Sie darin symbolisch die Friedenspfeife mit über 110.000 Anwohnern! Wäre das nicht ein guter Abschluss und Abschied für Sie?

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!