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Felicitas Rohrer
Felicitas Rohrer in der Bayer HV

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Felicitas Rohrer, ich bin 25 Jahre alt und komme aus Bad Säckingen.

Zunächst möchte ich aus dem Begleitheft der Antibabypille Yasminelle, die von Bayer vertrieben wird, zitieren:
„Yasminelle – mehr als eine neue Pille. Die niedrige Dosierung soll für eine gute Verträglichkeit sorgen und das Drospirenon hat ein paar hilfreiche Zusatznutzen auf Lager:
- Smile-Effekt – und du fühlst dich rundum wohl in deiner Haut.
- Feel-Good-Faktor: Yasminelle verbessert körperliches und seelisches Befinden.
- Figur-Bonus: Yasminelle hilft, das Gewicht stabil zu halten.
Mit Yasminelle kannst du das Leben und die Liebe so richtig genießen. Mit Yasminelle kannst du zu jeder Zeit im Zyklus singen: I feel good…“

Ich bin im Juli des vergangenen Jahres fast an einer doppelten Lungenembolie gestorben. Ursache dafür war genau diese in dem Begleitheft so angepriesene Antibabypille Yasminelle. Von Ihrer Firma.

Am 11. Juli 2009 war ich zufällig mit meinem Freund in Freiburg. In der dortigen Universität wurde mir plötzlich schwindlig bevor ich ohnmächtig zusammengesackt bin. Mein Freund konnte mich gerade noch auffangen und es gelang ihm nach einiger Zeit mich aus der Ohnmacht zurückholen. Aber ich hatte furchtbare Schmerzen, ein enormes Druckgefühl auf dem Oberkörper und ich konnte kaum noch atmen. Jede Sekunde wurde es schlimmer und ich drohte zu ersticken. Den hinzugerufenen Rettungssanitätern gelang es nicht mich zu stabilisieren, da ich erneut ohnmächtig wurde. Der Notarzt ließ mich sofort in die Uniklinik einliefern.
Dort haben im Schockraum bereits etwa fünfzehn Ärzte auf mich gewartet. Mir wurden die Kleider vom Leib geschnitten. Die Schmerzen wurden so stark, dass ich nicht mehr liegen bleiben konnte. Dann weiß ich bis zum nächsten Tag nichts mehr.

Aus den Arztberichten weiß ich heute, dass mein Herz aufgehört hat zu schlagen und dass ich blau angelaufen bin. Zu diesem Zeitpunkt kannten die Ärzte die Ursache hierfür noch nicht. Sie sahen nur ein 25-jähriges Mädchen mit akutem Herzversagen vor sich liegen. Ich wurde vergeblich defibrilliert. Alle Reanimationsversuche scheiterten. Daraufhin entschlossen sich die Ärzte meinen Brustkorb zu öffnen. Durch einen 15cm langen Schnitt wurde mir das Brustbein geöffnet und zur Seite gebogen. Während ich operiert wurde, hielt ein Arzt mein Herz in seinen Händen und versuchte es auf diese Weise zu pumpen. Zwei Nierenschalen voller Blutgerinnsel befanden sich in beiden Lungenflügeln. Nachdem diese entfernt waren, wurde ich an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Weder mein Herz noch meine Lunge waren in der Lage eigenständig zu funktionieren. Ab dem Zeitpunkt, an dem mein Herz stehen blieb bis zur Eröffnung des Brustkorbes vergingen 20 min, in denen mein Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt war. 20 min, in denen mein Herz nicht schlug. Ich war 20min lang klinisch tot.
Nach der Operation lag ich einen Tag im Koma, bevor ich dann auf der Intensivstation aufgewacht bin. Ich war so erschöpft, hatte solche Schmerzen, dass selbst das stärkste Schmerzmittel, ein Morphinderivat, nicht ausreichte meine Schmerzen zu lindern. Die Sekunden, die das Schmerzmittel brauchte, um im Blut verteilt zu werden, kamen mir wie eine qualvolle Ewigkeit vor. Wissen Sie wie das ist, wenn man vor Schmerzen nur noch schreien kann? Wenn die Familie hilflos am Bett steht und alles, was sie tun können ist meine Hand zu halten, während ich schreie und weine?
Ich hatte sechzehn Infusionen und sechs schmerzende Narben am ganzen Körper. Mir fehlte die Kraft mich zu bewegen, ich konnte kaum sprechen, konnte nicht richtig essen, weil das Kauen und Schlucken zu anstrengend waren.
Währenddessen musste meine Familie hilflos mit ansehen, wie ihre 25 jährige Tochter, die kurz zuvor scheinbar kerngesund nach Freiburg fuhr, nun hier lag und um ihr Leben kämpfte. Sie wussten in den kommenden Tagen nie, ob ich diesen Kampf gewinnen würde.
Viele von Ihnen im Vorstand haben Töchter. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie vor einem Operationssaal warten müssten, stundenlang, während ihr Kind darin um ihr Leben kämpft?

Ich bin 25 Jahre alt. Ich habe fünfeinhalb Jahre Tiermedizin studiert, war gerade mit dem Studium fertig geworden und stand mitten im Leben. Mein Leben sollte endlich richtig beginnen und nun, völlig unerwartet, konnte ich mich nicht einmal mehr selbständig bewegen. Zu merken, dass mein ganzer Körper richtig kaputt war, war grausam. Als nach ein paar Tagen versucht wurde, mich in einen Stuhl zu setzen, fehlte meinem Oberkörper nach wenigen Minuten die Kraft sich aufrecht zu halten und sackte zur Seite weg. Ich konnte mich nicht selber waschen, nicht auf die Toilette gehen, mich nicht aufsetzen. Ich war auf einen Rollstuhl angewiesen und musste immer einen Apparat mit Blutverdünnern und Schmerzmitteln mit mir führen. Laufen musste ich erst wieder lernen. Es war die Hölle.

Und heute? Heute stehe ich hier vor ihnen. Ich stehe hier, weil ich das Glück hatte zu überleben. Wäre ich an dem Tag nicht in Freiburg sondern wie gewöhnlich an meinem Heimatort gewesen, wäre nicht mein Freund dabei gewesen, hätten die Ärzte nicht so schnell und vor allem richtig reagiert, wäre ich gestorben. Mit 25. Eine doppelte Lungenembolie überleben nur weniger als 20%. Patienten, die eine Operation über sich ergehen lassen müssen, wie sie bei mir durchgeführt wurde, haben eine Überlebenschance von 3%. Meine behandelnden Ärzte sprachen von einem Wunder, dass ich überlebt habe. Und es darf doch kein Wunder sein, es darf doch nicht vom Glück abhängen, ob man überlebt oder nicht!
Ich habe überlebt. Aber ich werde für den Rest meines Lebens geschädigt sein. Ich muss Marcumar nehmen, das mein Blut verdünnt. Die Nebenwirkungen sind heftig und vor allem ist es ein großer Einschnitt in mein Leben. Ich muss ständig meinen Blutgerinnungswert im Auge behalten und messen. Ich muss darauf achten, was ich esse und trinke und auf viele Dinge, die ich so gern hatte, muss ich ganz verzichten. Die Gefahr innerer Blutungen ist ständig gegeben und ich darf entgegen meinem großen Wunsch keine Kinder bekommen.
Meine Venen im linken Bein sind irreparabel zerstört und ich habe immer noch einen Thrombus in der Beckenvene, der nicht operabel ist. Aufgrund dessen kann mein Blut nicht richtig zurückfließen, weshalb ich einen Kompressionsstrumpf tragen muss, den Sie hier sehen können. Jeden Tag, mein Leben lang. Ich muss deshalb auf Sommerurlaube verzichten und muss neue Kleidung und neue Schuhe kaufen. Ich habe Lymphabflussstörungen im Bein, muss deshalb mindestens zweimal die Woche zur Lymphdrainage. Meine Herz- und Lungenfunktion ist eingeschränkt. Ich habe zahlreiche Narben, die größte von hier oben bis runter zum Bauch. Alle Narben müssen mit Ultraschall, Salben und Narbenpflastern behandelt werden. Können Sie es sich vorstellen, was es für eine junge Frau bedeutet in den Spiegel zu schauen und diese Narben zu sehen? Ich kann weder längere Zeit sitzen noch lange stehen, daher ist es fraglich, welchen Beruf ich einmal ausüben kann. Ich bin Tierärztin, aber es ist nicht daran zu denken in diesem Beruf zu arbeiten. Dazu kommt, dass ich aufgrund des instabilen Brustbeines körperlich nicht belastbar bin. Ich weiß nicht wie es mit mir weitergehen soll.

Bei mir ist es zweifelsfrei erwiesen, dass die Pille die Ursache für meine Lungenembolie war. Mein Blut wurde auf jede mögliche Gerinnungsstörung untersucht - ich habe keine. Ich habe nie geraucht, bin nicht übergewichtig und habe immer Sport gemacht. Es gibt keinen anderen Grund für die Embolie als die Pille. Die Pille, die von Ihnen so angepriesen wird, die doch so toll für den Körper sein soll und sich insbesondere an junge Erstanwenderinnen wendet wie ich es war. Sie ködern junge Mädchen mit der absurden Werbung sie würden nicht an Gewicht zunehmen, könnten ihr Hautbild verbessern und dass die Pille besonders gut verträglich sei. Dabei ist gerade Yasminelle wie die anderen Pillen der dritten und vierten Generation auch besonders gefährlich für Erstanwenderinnen unter 30 Jahre. Das Hormon Drospirenon, das die Yasminelle und andere Pillen dieser Generation beinhalten, entzieht dem Körper besonders viel Wasser. Dadurch verdickt sich das Blut und das Thromboserisiko erhöht sich enorm. Diese Thrombosen können zu solchen Embolien führen. Lungenembolie, Herzembolie, Hirnembolie.

Und ich bin bei weitem kein Einzelfall:
- Nach mir wird eine junge Frau sprechen, die ebenfalls durch die Pille dauerhaft geschädigt ist.
- In der Schweiz ist ein junges Mädchen nach der Einnahme der Pille Yaz gestorben. Yaz ist ebenfalls eine Pille der 3. Generation, die von Bayer vertrieben wird.
- Die damals 16-jährige Celine war gerade frisch verliebt und nahm deshalb Yaz. Heute, nachdem sie die Pille ganze 4 Wochen lang eingenommen hatte, ist sie spastisch behindert, an einen Rollstuhl gefesselt und wird nie wieder sprechen oder laufen können. An die Herren des Vorstandes: Gehen Sie ins Internet, geben Sie in eine Suchmaschine „Celine“ und „Pille“ ein und schauen Sie sich die Bilder an. Schauen Sie sich die Fotos an! Und dann sagen Sie noch einmal, dass Ihre Pille besonders verträglich sei, wie es Ihr Chef-Mediziner Dr. Malik sagt. Wenn Sie so überzeugt von Ihrem Produkt sind, dann besuchen Sie Celine, gehen Sie zu ihr hin und sagen Sie ihr ins Gesicht, dass sie ganz alleine Schuld an ihrem Schicksal ist. Wenn Sie so überzeugt von der Pille sind, warum haben Sie dann zwei Jahre lang die Krankenhauskosten für Celine bezahlt? Stillschweigend und unter der Hand? Das ist doch ein Schuldeingeständnis!
- In Deutschland ist im September 2009 eine junge Frau an einer Lungenembolie gestorben. Auch sie nahm die Pille ein.
- In den USA sind derzeit 50 Todesfälle bekannt, die wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Einnahme der Pille stehen.

Durch Berichte in den Medien auf mich aufmerksam geworden, melden sich immer mehr Mädchen bei mir, die das gleiche Schicksal erlitten haben. Die Dunkelziffer ist enorm hoch. Und es wird weiter gehen.
Deshalb frage ich Sie: Wann werden Sie etwas unternehmen und die Pillen der dritten und vierten Generation vom Markt nehmen? Wie viele Todes- und Erkrankungsfälle wollen Sie noch abwarten? Sie machen mit den Pillen Yaz, Yasmin und Yasminelle einen jährlichen Umsatz von über einer Milliarde Euro und riskieren nicht nur das Leben von jungen Mädchen, nein sie zerstören auch die Zukunft vieler junger Frauen und Familien wie in meinem Fall.
Herr Dr. Dekkers, Sie werden ab Oktober der neue Vorstandsvorsitzende von Bayer sein. Sie haben drei Töchter. Würden sie Ihnen die Yasminelle guten Gewissens empfehlen?
Können Sie sich in die Lage der Väter und Mütter versetzen, die stundenlang vor dem OP warten müssen und jedes Mal, wenn ein Arzt den OP verlässt, müssen sie damit rechnen, dass der Arzt sagt, dass sie den Kampf verloren hat. Oder dass er ihnen sagt, dass, sollte Ihre Tochter überhaupt überleben, sie dann aufgrund des Sauerstoffmangels dauerhafte Gehirnschäden haben wird? Können Sie sich das vorstellen? Mein Vater musste das erleben, meine Mutter, meine Geschwister und mein Freund. Alle Menschen, die ich liebe und die mich lieben mussten damit rechnen, dass ich sterben würde. Ohne nochmal die Möglichkeit gehabt zu haben sich zu verabschieden. Und viele Mädchen hatten die Möglichkeit nicht mehr.

Sie haben es zu verantworten, dass das Leben junger Frauen zerstört ist oder nicht mehr existiert. Wie können Sie morgens überhaupt in den Spiegel schauen???

Ich stand mitten im Leben und Ihre Pille hat mich da herausgerissen, mir Qualen und unerträgliche Schmerzen zugefügt und mich geschädigt hinausgespuckt in ein neues Leben, in dem ich Schwierigkeiten habe zurecht zu kommen. Schon auf der Intensivstation habe ich deshalb psychologische Betreuung erhalten und ich brauche auch heute noch eine Psychologin.
Sie haben mir meine Gesundheit genommen und dazu hatten Sie kein Recht. Sie bewerben die Pille als Produkt, nicht einmal als Medikament, sondern als Produkt, das dem ganzen Körper wohltut. Stattdessen sterben Mädchen deswegen und Sie verdienen Unmengen von Geld damit. Das ist menschenverachtend. Warum stellen Sie eine Antibabypille her, die Nebenwirkungen hat, die für die Verhütung nicht notwendig sind?
Wie erklären Sie es sich, dass meine Frauenärztin nachdem sie über die ersten Zwischenfälle der Pille in der Schweiz gelesen hat ihren Bayer-Vertreter, einen ihrer Studienkollegen, diesbezüglich befragte, dieser jedoch abgewiegelt und die Unbedenklichkeit der Pille weiterhin angepriesen hat?

Ich fordere Sie auf Verantwortung zu übernehmen. Hören Sie auf so zu tun als gäbe es uns nicht. Hören Sie auf uns zu verhöhnen, indem Sie sagen, dass alle Geschädigten Einzelfälle sind, Vorerkrankungen hatten und dass die Schäden nicht von der Pille kommen. Bedenken Sie, dass auch sie Vater oder Mutter eines solchen „tragischen Einzelfalls“ werden könnten. Reagieren Sie auf die Opfer, nehmen Sie die Pillen vom Markt und sprechen Sie mit uns. Im Moment schweigen Sie uns im wahrsten Sinnen des Wortes tot. Lassen Sie keine jungen Frauen mehr sterben. Mein Leben haben Sie schon zerstört.