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Kohlekraftwerk Uerdingen

Niederrheinischer Umweltschutzverein (NUV), 27.04.07

Aktionärshauptversammlung des BAYER-Konzerns in Köln:

Pressemitteilung zur Kritik an der Planung eines umweltschädigenden Steinkohlekraftwerks im Bayer-Chemiepark Krefeld-Uerdingen

Etwa um das Jahr 2015 herum ist beabsichtigt, im BAYER-Werk Uerdingen zwei relativ kleine Kohlekessel, die jeweils 150 Tonnen Dampf pro Stunde produzieren, stillzulegen, während ein größerer Kohlekessel mit 400 to Dampf pro Stunde und vier gasbefeuerte Kessel weiter betrieben werden können. Durch eine Ausgliederung der Dampfproduktion in ein Kraftwerk der Firma Trianel (auf zu pachtendem BAYER-Gelände im Chemiepark Uerdingen) könnte dann auch der jahreszeitlich schwankende Bedarf an elektrischer Energie, der die Eigenproduktion übersteigt, gedeckt werden. Ein Kraftwerk mit 200 MegaWatt (MW) elektrischer Leistung wäre hierfür ausreichend. Berücksichtigt man noch den Wunsch der Stadtwerke Krefeld nach elektrischer Leistung in der Größenordnung von 100-150 MW, wäre ein umweltfreundliches Gas- und Dampfturbinenkraftwerk mit passender Kraft-Wärme-Kopplung von 350 MW elektrischer Leistung voll ausreichend. Zur Zeit wird in Hamburg-Tiefstack vom Energiekonzern Vattenfall ein GuD-Heizkraftwerk mit gut abgestimmter Kraft-Wärmekopplung gebaut, das einen Gesamtwirkungsgrad von 90 Prozent erreichen soll.

Die Firma Trianel plant hingegen mit massiver Unterstützung von BAYER ein großes, mit Importkohle befeuertes Kraftwerk mit ca. 750 MW elektrischer Leistung. Der elektrische Wirkungsgrad von nur 46% wird durch eine relativ geringe Dampfauskoppelung für den Chemiepark auf einen Gesamtwirkungsgrad von dann ca. 51% nur geringfügig erhöht. Da das Kraftwerk über Flusswasser gekühlt werden soll, wird somit die Hälfte der Energie, die mit hohen Umweltbelastungen aus Südafrika, Australien oder Kolumbien über die Weltmeere transportiert worden ist, dazu verwendet, den Rhein aufzuheizen. Aus Kostengründen verzichtet man auf den Bau eines Kühlturms und beabsichtigt die Kühlwasserentnahme von 25 000 l pro Sekunde aus dem Rhein. Dieses Wasser wird um bis zu 10 Grad erwärmt und gelangt dann wieder zurück in den Rhein.

In dem von BAYER und Trianel geplanten Kohlekraftwerk würden jährlich mindestens 4,4 Millionen Tonnen CO2 produziert! Zum Vergleich: Würden alle Bewohner Australiens ihre Glühlampen durch Energiesparlampen ersetzen, würden jährlich 3 Millionen to CO2 eingespart!

200.000 to verbrannter Steinkohle pro Monat würden neben der gewaltigen Emission an CO2 auch zu einem hohen Ausstoß anderer Schadstoffe führen. Aus dem Schornstein würden bei Normalbetrieb trotz Filteranlagen jährlich über 500 kg Cadmium, 500 kg Thallium, 600 kg Quecksilber, 1000 kg Arsen, 2000 kg Nickel, 6000 kg Blei, 400 to Staub, 4000 to Schwefeloxide und 4000 to Stickoxide entweichen. Hinzu kommen dann noch die verkehrsbedingten Zusatzbelastungen (u.a. Feinstaub durch Lkw) für den Transport der Betriebsstoffe und die Entsorgung der Abfälle. Zudem sollen auf dem Gelände des Chemieparks gelagert werden: 2,5 Millionen l Heizöl, 280 000 to Kohle in einem offenen, mit Abwehungen verbundenen Kohlelager, bis zu 4900 to Gips, bis zu 4800 to Flugasche, bis zu 600 to Kesselasche und bis zu 720 to Kalksteinmehl.

Ablehnung des Stadtrats
Bezüglich der CO2-Freisetzung unterscheiden sich die verschiedenen Brennstoffe erheblich. Im Vergleich zur Steinkohle erzeugt Erdgas etwa die Hälfte des Treibhausgases (56 %). In Zukunft wird Biogas, das ins Erdgasnetz eingespeist werden kann, zunehmend die Abhängigkeit von fossilem Erdgas vermindern, das zur Zeit in Deutschland zu etwa 62% aus Norwegen, Dänemark, den Niederlanden und England importiert wird. Das Ergebnis einer Studie, die u.a. von den Stadtwerken Aachen in Auftrag gegeben wurde, zeigt auf, dass bis zum Jahr 2020 der gesamte Erdgasbedarf Europas durch eigenes Biogas ersetzt werden könnte und dabei 2,7 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen würden.

Die Umweltverbände NABU, BUND, NUV und das Umweltforum Duisburg lehnen das
Steinkohlekraftwerk in Krefeld zusammen mit dem "Werbering Krefeld-Uerdingen" und der "Ärzteinitiative gegen das Kohlekraftwerk Uerdingen" entschieden ab. Auch der Krefelder Stadtrat hat am 08. März 2007 dieses Steinkohlekraftwerk abgelehnt und damit ein bundesweit beachtetes Klimaschutzsignal gegen Kohlekraftwerke ausgesendet.

Trotz dieser breiten Ablehnung macht die BAYER-Werksleitung gebetsmühlenartig den Versuch, die Mitarbeiter des Chemieparks und deren Angehörige mit Arbeitsplatzverlustängsten zu verunsichern. Die IG Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) wird dabei instrumentalisiert. Auszubildende, die nur extrem wenig über die Gesamtproblematik informiert waren, wurden während der Arbeitszeit am 29. März 2007 mit Bussen zur Regionalratssitzung nach Düsseldorf gekarrt, um dort Gewerkschaftsfähnchen zu schwenken. Ein Gesprächsangebot der Umweltverbände an die Gewerkschaft wurde bis heute ignoriert. Noch schlimmer: Der Wunsch eines Umweltschützers, an einer Informationsveranstaltung der Gewerkschaft auf dem BAYER-Gelände als Zuhörer teilnehmen zu dürfen wurde explizit abgelehnt!
Eine inzwischen viele Jahre bewährte Diskussionskultur mit Anwohnern und Interessensvertretern wird heftig mit Füßen getreten!

Insgesamt stellt die Planung eines Steinkohlekraftwerks und die Ignoranz gegenüber umweltverträglicheren Alternativen einen Großangriff auf das Klima, Flora, Fauna und Mensch dar. Die Bürger in Krefeld und Umgebung werden sich dies aus Klimaschutzgründen einerseits und wegen der bereits sehr hohen Gesundheitsbelastung der Einwohner andererseits nicht gefallen lassen! BAYER riskiert mit dem Versuch einer hartnäckigen Gangart den Verlust der bislang recht hohen Akzeptanz in der Bevölkerung.

V.i.S.d.P.: Ulrich Grubert, Kreuzbergstr. 81, 47800 Krefeld (Tel.: 02151/594473)

Krefelder Ärzte lehnen Steinkohlekraftwerk in Krefeld-Uerdingen ab

Krefeld liegt am West-Rand des Ruhrgebietes. Durch die hier vorhandenen Industrieanlagen ist die Luftbelastung sehr hoch und gleichzeitig müssen wir Ärzte leider eine deutlich erhöhte Rate an neu auftretenden z. T. bösartigen Erkrankungen der Lunge und des Herz-Kreislauf-Systems feststellen !
In den Messungen des Umweltbundesamtes liegt der Messort Krefeld - Linn im Jahr 2006 an 5. Stelle im gesamten Bundesgebiet bei den Überschreitungen der Höchstgrenze für Feinstaubbelastung von 50µg/m³.
Die Lungenkrebsrate im Ruhrgebiet liegt erheblich über der des Bundesdurch -schnitts. Dabei ist Duisburg besonders stark betroffen.
Es ist gesichert, dass Schwermetalle und Feinstäube Entzündungen in der Lunge und im Gefäßsystem verursachen und kanzerogene Wirkung haben. Pope et. al. in den USA haben statistisch signifikant nachgewiesen, dass eine Erhöhung der Feinstaubkonzentration um nur 10µg pro m³ zu einer Erhöhung der allgemeinen Sterberate von 6 %, zu einer Erhöhung der Sterberate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen von 9 %, sowie zu einer Erhöhung der Sterberate an Lungenkrebs um 14 % !!! nach sich ziehen. Ebenso zeigen Untersuchungen, dass eine erhöhte Allergierate durch Luftverschmutzung ausgelöst wird. In letzterem Zusammenhang haben sich übrigens praktisch alle niedergelassenen Kinderärzte unserer Initiative angeschlossen.
Angesichts dieser Tatsachen müssen wir die Schadstoffkonzentration in der Luft soweit wie irgend möglich verringern, um die Erkrankungs- und Sterberate nicht weiter in die Höhe zu treiben !!!

136 Ärzte in Krefeld haben sich bislang zu einer Initiative zusammengeschlossen, um eine Verschlechterung der Krefelder Luft durch ein Steinkohlekraftwerk dieser Dimension zu verhindern. Wir müssen Alternativen für unsere Energieprobleme vorantreiben.
Falls die Firmen Bayer und Trianel ihr Projekt trotz Ablehnung durch den Stadtrat in Krefeld weiter durchzusetzen suchen, sehen wir uns gezwungen, die umliegende Bevölkerung umfassend über die drohenden Gefahren durch dieses überdimensionierte Steinkohlekraftwerk zu informieren, und werden hoffentlich diese Bedrohung der Gesundheit insbesondere von älteren Menschen, Kindern und Kranken durch die Interessenwahrung der betroffenen anwohnenden Menschen abwenden können.

Das hartnäckige Verfolgen - verständlicher - wirtschaftlicher Interessen auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung schadet dem Ruf der Firma Bayer - die für uns als Ärzteschaft eigentlich auch für Innovation und Forschung im Dienste der Gesundheit steht - in unseren Augen enorm.
Wir sind der Meinung, dass gesundheitliche Belange auch bei den Fragen der Energiegewinnung und Produktion vorrangige Beachtung finden müssen.

v.i.S.d.P.R.: Dr. Bernd Kaufmann, Facharzt für Allgemeinmedizin