deutsch
english
francais
espanol
italiano
Photo
Hauptversammlung

Die Macht des Großkapitals

Kleinaktionäre dürfen am Profit riechen - mehr ist nicht drin

Es ist schon ein übler Trick: Die Konzerne lassen sich den Ausbau ihrer Profit- und Ausbeutungsmaschinierie von denjenigen mitfinanzieren, die davon mit Arbeitsplatzvernichtung, Sozialabbau und Verschlechterung der Lebensbedingungen am härtesten betroffen sind, von der arbeitenden Bevölkerung. Mittlerweile besitzen rund 16 Prozent aller deutschen Haushalte Aktien. Macht haben diese ca. 12 Millionen KleinaktionärInnen allerdings keine. Auch bei BAYER nicht.
Von Axel Köhler-Schnura

Es ist die pure Nötigung. Die Berichterstattung über Aktienkurse ist ohne jeden Bezug zu den Alltagssorgen der breiten Bevölkerung, aber dennoch gibt es mittlerweile keine Nachrichtensendung mehr, in der nicht die kleinste Kursschwankung gewürdigt wird. Ungeachtet aller Gefahren durch Krieg, Wirtschaftskrise und Börsencrash sollen so die Menschen gelockt werden, ihre mühsam ersparten Euros in Aktien zu „investieren“. Ganze Kegelclubs wandeln sich zu (Klein-)Aktionärsvereinigungen.

BAYER profitiert vom Börsenfieber

Von dem derart losgetretenen Börsenfieber profitiert auch der BAYER-Konzern. Zählte die Muttergesellschaft des BAYER-Konzerns im Jahr 1993 noch 295.000 AktionärInnen, so waren es acht Jahre später im Jahr 2001 fast doppelt so viele: 496.000 Personen, Firmen und Institutionen besitzen heute ca. 766 Millionen BAYER-Aktien und stellen das Grundkapital des BAYER-Konzerns in Höhe von ca. 1,96 Milliarden Euro. Jede der nennwertlosen BAYER-Aktien hat damit einen Wert von 2,56 Euro.

Die BAYER-Aktie ist breit in die Haushalte von Otto Normalverbraucher vorgedrungen: Den größten Anteil an den BAYER-AktionärInnen stellen mit ca. 93 Prozent die Privatpersonen; das macht immerhin 465.000 Personen aus. Während jedoch die 7 Prozent Firmen und Institutionen 76 Prozent des Kapitals von BAYER besitzen, halten die PrivataktionärInnen lediglich 24 Prozent, also gerade einmal 0,5 Milliarden Euro des Grundvermögens des Konzerns. Untersuchen wir die 465.000 privaten AnteilseignerInnen weiter, so stellen wir fest, das 92 Prozent maximal 600 Aktien im Depot haben. 427.000 BAYER-AktionärInnen halten also Depots mit einem Nennwert von maximal 1.536 Euro. Damit besteht die große Masse der BAYER-AktionärInnen aus Mini- und KleinstaktionärInnen.

Die Machtlosigkeit von Otto Normalaktionär

Doch so beeindruckend der hohe Anteil von Klein- und KleinstaktionärInnen an der Gesamtzahl der BAYER-AktionärInnen ist, so beschämend ist ihr geringer Einfluss. Dieser geht defacto gegen Null. Werden von den 496.000 AktionärInnen die Groß- und GrößtaktionärInnen aussortiert, so muss davon ausgegangen werden, dass etwa 446.000 AnteilseignerInnen bzw. 90 Prozent gerade einmal ca. 5 Prozent des Kapitals besitzen, mithin also 95 Prozent des Kapitals bei ca. 10 Prozent aller AktionärInnen liegen. Etwa 50.000 GroßaktionärInnen besitzen 1,86 Milliarden Euro des Grundkapitals, während 446.000 KleinaktionärInnen gerade einmal zusammen auf 100 Millionen Euro kommen. An diesem Punkt ist übrigens auch Schluss mit der Informationsfreudigkeit des BAYER-Konzerns. Es gibt keine Informationen aus der zuständigen BAYER-Abteilung, alle Angaben beruhen auf Schätzungen der Coordination gegen BAYER-Gefahren, die diese anhand der Präsenzliste und der von ihr vertretenen Depots vorgenommen hat.

Der nominale Einfluss der Klein- und KleinstaktionärInnen von 5 Prozent wird zusätzlich gedrückt, weil sie ihre Aktien in aller Regel nicht selbst vertreten, sondern sich von der Bank vertreten lassen, bei der die Aktien im Depot liegen. Diese sogenannte Regelung des Depotstimmrechtes schmälert den Einfluss der KleinaktionärInnen weiter und stärkt die Macht der Banken.

Die Macht der GroßaktionärInnen

76 Prozent, also mehr als Dreiviertel des Kapitals, befinden sich bei 31.000 Banken, Investmentgesellschaften und anderen institutionellen Anlegern. Hinzu kommen die bereits erwähnten privaten Groß- und GrößtaktionärInnen. Besonders sind jene zu nennen, die zum Kreis der 946 Multi-Milliardäre gehören, die die Wirtschaft der Welt regieren. Allerdings wird man deren Namen vergeblich in den Registern der Aktiengesellschaften suchen, denn sie verstecken sich doppelt und dreifach getarnt im Bereich der institutionellen AnlegerInnen.

Aufgrund eigenen Besitzes halten 2.276 Banken und Versicherungen bei BAYER 55 Prozent aller BAYER-Aktien. Zu ihrer Macht hinzu addieren sich die 12 Prozent, die mehrere Tausend Investmentgesellschaften halten. Oftmals sind die Investmentgesellschaften direkte Töchter der Banken. Die 2,9 Prozent, die 6.853 Anleger aus Industrie und Handel halten bzw. die 5,5 Prozent, die bei 14.537 nicht näher spezifizierten „Sonstigen“ liegen, fallen da bereits kaum noch ins Gewicht.

Hinzu kommt das Depotstimmrecht. Es sorgt dafür, dass alleine die DRESDNER BANK im Rahmen der Hauptversammlung 30 und mehr Prozent aller BAYER-Aktien vertritt und die DEUTSCHE BANK z.B. weitere 17 Prozent. Damit vertreten alleine diese beiden Banken fast 50 Prozent aller Aktien, wobei die DEUTSCHE BANK die meisten inländischen Aktien hält.

Wenn es also auf den ersten Blick so aussieht, als befände sich das BAYER-Kapital von 3,6 Milliarden Mark in breitem Streubesitz, so stellt sich bei näherer Betrachtung heraus, das Gegenteil ist der Fall: Viele Hunderttausend AktionärInnen besitzen so gut wie nichts, einige wenige GroßaktionärInnen und GrößtaktionäreInnen besitzen nahezu alles: Es kann davon ausgegangen werden, das eine Zahl von lediglich ca. 5.000 AktionärInnen 80 und mehr Prozent des Kapitals besitzen.

Abnehmende Präsenz

Es gibt noch ein interessantes Phänomen. Auf den Hauptversammlungen tritt lediglich ein Bruchteil des Kapitals in Erscheinung. Im Jahr 2007 lag bei BAYER diese „Präsenz“ bei 57 Prozent. Es waren also 436,6 Millionen Aktien auf der Hauptversammlung vertreten. An den Abstimmungen nahmen sogar lediglich 434,9 Millionen Aktien teil. Wo stecken die fehlenden mehrere Hundert Millionen Aktien bzw. weshalb sind sie nicht präsent? Entsprechend der bereits vorgerechneten Aktienverteilung auf Groß- und KleinaktionärInnen können die fehlenden KleinaktionärInnen außer Betracht bleiben. Ob da einige Tausend fehlen oder sich vertreten lassen, ändert an der Präsenz herzlich wenig. Anders die GroßaktionärInnen. Hier bekommt die Frage tatsächlich Gewicht, weshalb derart viele Aktien nicht vertreten sind.

Bei der Beantwortung der Frage muss zunächst eine andere Frage geklärt werden: Ist es überhaupt von Bedeutung, wenn z.B. GrößtaktionärInnen, die wesentlich Prozente des Kapitals besitzen, nicht teilnehmen? - Nein, das ist in aller Regel nicht der Fall. Denn aufgrund der Macht des gehaltenen Kapitals, können sie alle wichtigen Fragen außerhalb der Hauptversammlung klären. Sie betrachten Vorstand und Aufsichtsrat sowieso als Angestellte, die zu tun und zu lassen haben, was sie bestimmen und vorgeben. Die Hauptversammlung hat da keinerlei Bedeutung mehr. Entsprechend muss davon ausgegangen werden, dass es die größten der AktionärInnen sind, die bei den Hauptversammlungen nicht präsent sind. Zumal es diesen auch ganz angenehm ist, wenn ihre Namen, selbst die doppelt und dreifach getarnten, nicht in den Präsenzlisten der Hauptversammlungen auftauchen.

Und es gibt noch andere Namen, die die Öffentlichkeit der Hauptversammlungen scheuen. Da sind die Summen die in die Geldwäscheströmen der internationalen Wirtschaftskriminalität verstrickt sind und da sind mit Sicherheit auch die Mafia und andere lichtscheue Vermögende zu nennen. Diese sind derart konspirativ getarnt, dass sie nicht einmal in den regelmäßig veröffentlichten Listen der reichsten Menschen der Welt in Erscheinung treten. Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass es Kriminelle gibt, die zur Klasse der Milliardäre gehören, dort aber in den offiziellen Listen vergeblich gesucht werden. Und sie haben ihr Geld ebenso wie Bill Gates und andere in Aktien investiert.

Immer mehr Stimmrechte an KritikerInnen

Angesichts dieser Machtverhältnisse ist es pure Demagogie von Aktionärsdemokratie zu faseln wie es die Konzerne und die konzerngesteuertern PolitikerInnen und Medien ständig tun. Tatsächlich ist es so, dass die GroßaktionärInnen die absolute Macht haben und derart auch das Management steuern. Die KleinaktionärInnen geben dabei nur eine diese Verhältnisse verschleiernde Kulisse ab.

Störend dabei allerdings diejenigen KleinaktionärInnen, die sich von der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre vertreten lassen. Seit Jahren sammeln diese beiden Organisationen die kritische Kleinaktionärsopposition, die sich Umweltschutz, Menschenrechten, Frieden und sozialer Gerechtigkeit verpflichtet sehen, und bieten demManagement der banken und Konzerne gleichermaßen die Stirn. Vor dem Hintergrund der Mehrheitsverhältnisse hinsichtlich der Aktien- und Kapitalverteilung bringen sie auf den Hauptversammlungen zwar lediglich geringe bis verschwindende Prozente aller Stimmen auf, werden jedoch defacto von Tausenden der anwesenden Klein-AktionärInnen unterstützt.

Bei der diesjährigen Hauptversammlung des BAYER-Konzerns stimmten beispielsweise bis zu 5,7 Millionen Aktien bzw. bis zu ca. 1,4 Prozent mit den KritikerInnen der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG). Mehrere Hundert AktionärInnen hatten bereits vor der Hauptversammlung ihre Stimmrechte an die CBG abgetreten. Da davon auszugehen ist, dass zuvorderst die KleinaktionärInnen mit den KritikerInnen stimmen und in deren Depots sich wie dargestellt maximal 600 Aktien befinden, wurden die CBG also von mehreren Tausend AktionärInnen unterstützt. Geht man davon aus, dass angesichts der immer drängender werdenden Umweltprobleme und der offenkundigen Profitgier des Konzerns auch einige mittlere und größere AktionärInnen mit den Kritischen stimmen, kann mit großer Sicherheit von zwei bis dreitausend AktionärInnen ausgegangen werden, die die Opposition bilden. Wobei stets klar ist, dass sie wie dargestellt, symbolisch handeln und mit ihren Nein-Stimmen nur ein Zeichen setzen können.

Zumal zu allem hinzu der Trick mit den Enthaltungen hinzu kommt. Enthaltungen fallen bei BAYER nämlich grundsätzlich unter den Tisch. Da viele KleinaktionärInnen sich jedoch oftmals nicht zu einem klaren „Nein“ gegen den Vorstand entscheiden können, enthalten sie sich. Und verschenken damit ihre Stimme. Im Jahr 2007 wurden bei den Abstimmungen bis zu 20 Millionen Enthaltungen bei den Abstimmungsergebnissen nicht berücksichtigt. Die sagenhaften Zustimmungsergebnisse für den Vorstand von 98 und mehr Prozent wären bei Berücksichtigung der Enthaltungen deutlich geringer ausgefallen. Aber auch nicht unter die 90-Prozent-Marke abgesunken. Dafür sorgt in jedem Fall die Macht des Großkapitals.

----------------------
Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) arbeitet als Netzwerk in 56 Ländern. Informationen über die CBG in sieben Sprachen unter www.CBGnetwork.org. Die CBG arbeitet weitgehend ehrenamtlich und erhält aufgrund ihrer konsequent konzernkritischen Haltung keinerlei Förderung und finanzielle Unterstützung. Sie ist auf Spenden und Frödermitgliedschaften angewiesen. Spenden Sie auf das Konto GLS-Bank 8016 533 000 BLZ 430 609 67 (bzw. europaweit BIC/GENODEM1GLS und IBAN/DE88 430 609 67 8016 533 000). Für eine Fördermitgliedschaft wenden Sie sich an (0)211 - 26 11 210 bzw. an info@cbgnetwork.org. Sollten Sie aus irgendwelchen Gründen eine oder mehrere BAYER-Aktien besitzen, übertragen Sie die Stimmrechte an die CBG, Postfach 18 90 88, 40081 Düsseldorf/Deutschland.

Unanständig: 39 Prozent Kapitalrendite

Von Dividende, Nennwert und Börsenwert

BAYER-Aufsichtsratschef Dr. Manfred Schneider bekannte einmal: „Wir sind auf Profit aus, das ist unser Job!“ Für das Jahr 2006 wurde auf der Hautversammlung 2007 ein Gewinn von einem Euro je Aktie ausgeschüttet, also satte ca. 39 Prozent Kapitalrendite je Aktie mit einem Wert von 2,56 Euro.

Vielfach wird die Dividende ins Verhältnis zum Kurswert gesetzt, und da machen sich der eine Euro je Aktie natürlich nicht so glänzend. Der Kurswert liegt derzeit bei etwa bei 50 Euro. Die Differenz zwischen Nenn- und Kurswert ergibt sich aufgrund des Handels der Aktie an der Börse und ist mithin nichts als ein Spekulationsaufschlag, der sich aus dem Handel der Aktie an der Börse ergibt und der sich permanent aufgrund von Angebot und Nachfrage verändert. Um die Kapitalrendite zu ermitteln muss der Wert herangezogen werden, der sich aus der Teilung des Grundkapitals durch die Stückzahl aller Aktien ergibt, und der ist bei BAYER 2,56 Euro.

Widerstand und Gegenwehr

Kritische BAYER-AktionärInnen

Als 1982 das erste Mal KritikerInnen auf der Aktionärsversammlung des Chemie-Giganten aus Leverkusen das Wort ergriffen, hörten ihnen gerade einmal 1.200 verblüffte AktionärInnen zu. Was diesen da, zu Gehör gebracht wurde, sprengte ihr Vorstellungsvermögen. Da änderte es auch nichts, dass Vorstand und Aufsichtsrat alles in immer gleichlautender Formulierung als „haltlos“ von sich wiesen. Es ging um haarsträubende Fälle von Umweltverseuchung, Menschenrechtsverletzungen, Gefährdung menschlicher Gesundheit und Todesfälle aufgrund gefährlicher Produkte und Produktionen, Ausbeutung, Kriegstreiberei und Sozialabbau – kurzum um die hässliche Kehrseite der Gewinn- und Umsatzmilliarden. „Wenn das alles stimmt, was hier vorgetragen wird, dann sitzen da nur lauter Gangster!“ rief ein fassungsloser Aktionärsvertreter und deutete mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die BAYER-Vorstandsriege.

In den folgenden Jahren erhöhte sich die Zuhörerschaft kontinuierlich. Bis schließlich weit mehr als 25.000 AktionärInnen nach Köln anreisten, um die bis dahin noch nie dagewesene Schelte des BAYER-Managements live mitzuerleben. Ein einzigartiger Vorgang in der Geschichte deutscher Aktiengesellschaften. Der TAGESSPIEGEL/Berlin brachte es so auf den Punkt: „Jahr für Jahr meldet sich auf der Hauptversammlung der Leverkusener BAYER AG die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN zu Wort. Die bestorganisierte Kritikergruppe liefert einen Alternativen Geschäftsbericht.“

BAYER reagierte. Zunächst versuchte sich der Konzern in Abschreckung. Er gründete die Initiative „Malocher gegen Schmarotzer“ und ließ in propere weiße Overalls gekleidete Werkschutzleute vor der Aktionärshauptversammlung agitieren. Das ging voll daneben, denn die anreisenden AktionärInnen erkannten nicht in den KritikerInnen die „Schmarotzer“, sondern fühlten sich selbst verunglimpft und feuerten den verkappten Malochern der BAYER-Propaganda-Abteilung die Flugblätter erbost vor die Füße. BAYER lernte, strich die „Schmarotzer“, nannte seine Abschreckungstruppe fürderhin „Die Malocher“ und stellte ihr Werkschutzleute mit selbstgebastelten DKP-Fahnen zur Seite. Auf diese Weise sollte bei den AktionärInnen Sympathie für die BAYER-freundlichen Blumen verteilenden „Malocher“ und Antipathie gegenüber den „kommunistischen“ KritikerInnen erzeugt werden. Doch auch diesmal blieben die gewünschten Effekte aus, die AktionärInnen begriffen alles nur als weitere Belebung ansonsten stinklangweiliger Hauptversammlungsroutinen.

Also griff der Chemie-Gigant zu drastischeren Mitteln. Er kürzte die Versorgung der AktionärInnen, die immerhin einen ganzen langen Tag in der stickigen Luft der Kölner Messehallen ausharren müssen, auf ein Minimum. Auf streng rationierte Marken gab es abstoßende in Plastik verpackte Papp-Sandwiches und Getränke. War es früher selbstverständlich, dass die AktionärInnen, die ja immerhin das Geld für den Betrieb gaben, mit Filmen der BAYER-Tochter AGFA und mit Kosmetika aus eigener Produktion beschert wurden, so wurden jetzt diese Aktionärspräsente ersatzlos gestrichen. Und auch die Eintrittskarten für die Hauptversammlung wurden am Rande der Legalität beschränkt. Stehen jedem Aktionär für jede seiner Aktien eine Eintrittskarte zu, so wurde jetzt nur noch eine Eintrittskarte je Depot ausgegeben.

Insgesamt gelang es dem Konzern so, die Zahl der anreisenden AktionärInnen auf ca. 6.000 herunter zu drücken, doch dabei blieb es. Seit nunmehr 25 Jahren muss der Konzern es sich gefallen lassen, dass auf seiner Hauptversammlung die Hauptthemen nicht Gewinn und Dividende, sondern Umweltverbrechen, Produktionsgefahren, Menschenrechtsverletzungen und Sozialabbau sind.

BAYER global

War BAYER nach der Erhebung von 2001 noch überwiegend im Besitz deutscher AktionärInnen, so hat sich das inzwischen nach einer Erhebung aus dem November 2006 geändert. Danach werden inzwischen 73 Prozent des Kapitals im Ausland gehalten. Dabei führen die USA mit 37,9 Prozent, gefolgt von Großbritannien mit 20,8 Prozent, der Schweiz mit 3,6 Prozent, dem Rest von Europa mit 10,1 Prozent und dem Rest der Welt mit 0,6 Prozent. Von den 37,9 Prozent derAktien, die in den USA gehalten werden, entfallen weit mehr als 20 Prozent alleine auf zwei Investmentfonds. Die Capital Research and Management Company in LosAngeles hält inzwischen mehr als 10 Prozent des BAYER-Kapitals, desgleichen hat die The Capital Group Companies aus Los Angeles (USA) ebenfalls die 10-Prozent-Marke überschritten. Beides ein möglicher Hinweis darauf, dass sich US-Milliardäre bei BAYER eingekauft haben.

Die Bosse greifen in die Kasse

Bei BAYER gibt es für Belegschaftsangehörige drei Aktienerwerbs-Programme. Da ist zunächst für die einfachen Belegschaftsangehörigen (BAYER-Deutsch: „Tarifmitarbeiter und leitende Kräfte der unteren Ebenen“) das „Aktienbeteiligungsprogramm“. Unter bestimmten Voraussetzungen können BAYER-MitarbeiterInnen zu vergünstigten Bedingungen oder im Ausgleich als Prämienleistung Aktien erwerben. Über diese Anteile können sie allerdings nicht frei verfügen, es gelten sehr restriktive Bedingungen für den Verkauf dieser Papiere.

Anders bei den „oberen Führungskräften“. Ihnen werden BAYER-Aktien im Rahmen eines „Aktien-Incentive-Programms“ gratis und zur freien Verfügung zugewiesen. „Sofern bestimmte Erfolgs- und Haltekriterien erfüllt werden“, über die sich der Leiter des BAYER-Ressorts Corporate Investor Relations, Dr. Alexander Rosar, nicht weiter äußert.

Die BAYER-Bosse schließlich, die im Jahr 2006 je Person 2,5 Mio Euro verdienten, (BAYER-Deutsch: „Mitarbeitergruppe der höchsten Vertragsstufe“) können sich ungehindert im Rahmen eines sogenannten „Aktien-Options-Programms“ bedienen. Hier weisen sich die Herren (Damen gibt es in der BAYER-Vorstandsriege nicht) z.B. im Rahmen von Neu-Emissionen ganze Kontingente „junger Aktien“ zum weit unter Börsenkurs liegenden Vorzugspreisen per Beschluss selbst zu. Dies kommt einem legalen Griff in die Kasse gleich.

Vor dem Hintergrund dieser Aktien-Programme für das Management wird deutlich, dass der „einfache“ Belegschaftsaktionär mit Sicherheit erheblich weniger Aktien im Depot hat, als die von BAYER gemeldeten durchschnittlich von 311 Aktien je Mitarbeiterdepot. Und der Vorstandsvorsitzende, Dr. Wenning, nennt mit Garantie ein Vielfaches dieses Durchschnitts sein Eigen.

Die BelegschaftsaktionärInnen

Zu der Gruppe der PrivataktionärInnen gehören 50.000 bundesdeutsche Beschäftigte von BAYER-Werken und Tochter-Unternehmen. Diese BelegschaftsaktionärInnen halten 2,1 Prozent des Gesamtkapitals. In jedem dieser Mitarbeiterdepots, die bei COMMERZBANK, DEUTSCHE BANK und der SPARKASSE Leverkusen geführt werden, liegen durchschnittlich 311 Aktien im Nennwert von gerade einmal 800 Euro. Damit finanzieren die Beschäftigten den Konzern zwar mit 39,9 Mio. Euro, gehören aber grundsätzlich zu den KleinstaktionärInnen. Ausländischen MitarbeiterInnen werden laut dem Chef des BAYER-Ressorts Corporate Investor Relations, Dr. Alexander Rosar, grundsätzlich keine Belegschaftsaktien angeboten.